„Und woher kommst du ursprĂĽnglich?”

Zum Internationalen Tag gegen Rassismus am Dienstag den 21. März, lud der Fachbereich Chancengleichheit des Amtes für Soziale Dienste in die Aula der Weiterführenden Schulen Vaduz ein. Mit einem Inputreferat wurde das Thema Alltagsrassismus näher betrachtet. Anschliessend folgte eine Diskussionsrunde. 

22. März 2023 | Rita Feger
Gesellschaft

Regierungsrat Manuel Frick begrĂĽsste die Anwesenden in der Aula der WeiterfĂĽhrenden Schulen in Vaduz und ging dabei der Frage nach, wo Fremdenfeindlichkeit anfängt. Voraussetzung sei es, mehr darĂĽber zu wissen und festgefahrene Gedankenstrukturen zu diskutieren und zu hinterfragen. „Durch unbewusste Vorurteile machen wir schnell Unterschiede zwischen Menschen an Ă„usserlichkeiten, an der Herkunft, an der Kultur oder an der Religion fest. Uns diesen Vorurteilen bewusst zu werden, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, so Regierungsrat Frick.

Alltagsrassismus wird geduldet 

Aber was genau ist Alltagsrassismus? Diese und weitere Fragen wurden von der Referentin Yuvviki Dioh, Agentin für Diversität am Schauspielhaus Zürich, beleuchtet. 

Rassimus beschreibt eine Denkweise, die fälschlicherweise davon ausgeht, dass sich Menschen in “Rassen” unterteilen lassen und an deren Ende „-ismus“ steht. “Rassisten” glauben, dass genetisch bedingte äussere Merkmale geeignet sind, Mitmenschen zu schubladisieren und dadurch auszugrenzen. 

Weil Rassismus ein gesellschaftliches Problem ist, kann etwas dagegen unternommen werden. Es hilft allerdings nicht wenn Vorbilder wie die Aussenministerin bei ihrem Bolivienbesuch Begriffe wie “globaler Süden” verwenden und mit dieser Aussage symbolisch gesprochen zwischen “oben” und “unten” unterscheiden. Öffentliche Kritik blieb dennoch aus und so zeigt das Beispiel auf plakative Weise, dass sich Alltagsrassismus im Gegensatz zu offenkundigem Rassismus kaum auffällt. 

Betroffene leiden in jedem Fall

Alltagsrassismus ist subtiler und kann sich in scheinbaren Komplimenten oder hinter naiv formulierten Fragen verstecken. Als Klassiker gilt die Frage “Woher kommst Du?” Auf die Antwort “aus Liechtenstein” folgt dann meist die Frage: “Ich meine, woher kommst Du ursprünglich?”. Solche Fragen grenzen aus und unterscheiden zwischen “fremd” und “einheimisch”. 

Rassismus treibt einen künstlich-konstruierten Keil zwischen Menschen. Und genau darum geht es: Rassismus ist niemals sachlich, geschweige denn harmlos. Diskriminierende Aussagen und Handlungen sind nicht deshalb entschuldigt, weil die böse Absicht fehlt, denn die betroffene Person leidet in jedem Fall darunter.

Diversität im öffentlichen Raum

So schilderte Belgin Amann (Beraterin integra-Team der infra) während der Podiumsdiskussion den Fall einer türkischen Mutter, die aus Glaubensgründen Kopftuch trägt und sich nicht getraut hat, mit ihren Töchtern das Freischwimmbad zu besuchen. Stetige Blicke oder Bemerkungen aufgrund des Tragens eines Kopftuches können das Alltagsleben einer ganzen Familie beeinflussen und sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken.

Zum Abschluss wurde die Frage gestellt, was sich die Gesprächsteilnehmerinnen fĂĽr die Zukunft wĂĽnschen. Unter den Antworten waren Tipps fĂĽr den Eigengebrauch sowie Anregungen mit politischer Dimension. So wĂĽnschte sich Mirjam Schiffer („aha“ – Tipps und Infos fĂĽr junge Leute), dass man im Zweifel Bemerkungen besser unterlässt und Referentin Yuvviki Dioh mehr Diversität im öffentlichen Raum. Belgin Amann äusserte den Wunsch, Kinder frĂĽh in die Gesellschaft zu integrieren und fĂĽr Themen wie Rassismus und Ausgrenzung zu sensibilisieren. 

 

Belgin Amann, Beraterin integra-Team der infra; Yuvviki Dioh, Agentin fĂĽr Diversität am Schauspielhaus ZĂĽrich; Mirjam Schiffer von „aha“ und Moderatorin Gabriella Alvarez Hummel (v.l.)

Bild: Basri Memeti