„Wir haben jetzt den Peak erreicht“

Am 11. Januar fand eine Diskussionsveranstaltung betreffend die Abstimmung Ende Januar ĂĽber ein landesweites Casino-Verbot statt. Dabei ging es auch um das Thema "Marktregulierung".

21. Januar 2023 | Rita Feger
Liechtenstein

An der Diskussion nahm Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni in ihrer Funktion als Wirtschaftsministerin teil. Die IG VolksMeinung wurde  von Guido Meier und Willi Frommelt und der Casino-Verband von Reinhard Fischer und Markus Kaufmann vertreten. Tanja Cissé moderierte Anlass, der live auf dem Landeskanal übertragen wurde. Heute wurde die letzte Wiederholung gesendet. 

Im Folgenden ein Ausschnitt der Diskussion bei dem der Streitpunkt “Marktregulierung” in den Fokus genommen wurde.

Tanja CissĂ©: Ich möchte auf das Thema “der Markt wird es schon regulieren“zu sprechen kommen. Der Casinoverband geht davon aus, dass es nicht Platz fĂĽr so viele Casinos geben wird. Wie viele Casinos machen fĂĽr Liechtenstein wirtschaftlich Sinn?

Reinhard Fischer: Ich glaube, dass wir jetzt den Peak erreicht haben, was der Markt an BSE (Bruttospielertrag) – Potential hergibt. Wir gehen davon aus, dass es mit drei, allerhöchstens vier Casinos in Liechtenstein fertig sein wird, was neue Casinos betrifft. Und man muss auch eines sagen, die Gebäude, in denen die Liechtensteiner Casinos einquartiert sind, das ist ja auch endend wollendes Potential. Es gibt fĂĽr Casinobetreiber kaum noch interessante Locations.

Wie es die Schliessungen vom Casino Maximus und von Balzers bewiesen haben, die relativ klein waren und den Standort nicht gut gewählt haben in der Industriezone, haben diese aus wirtschaftlichen Gründen zugesperrt. Und nicht weil man versucht hat, dort einen Platzhalter zu machen. 

Tanja Cissé: Die IG Volksmeinung glaubt nicht, dass der Peak erreicht ist und dass es jetzt retour geht? 

Guido Meier: Nein, wir haben ein Problem mit der Anzahl Casinos, darum sind wir auch initiativ geworden. Dazu möchte ich sagen, acht Casinos sind viel zu viel und wenn noch eines kommt, dann gibt es neun Casinos. Dann kommt ein Casino auf 4000 Einwohner. Es geht ja nicht nur um die Anzahl Casinos, sondern es geht auch um die Grösse der Casinos.

Die Casinos sind zuständig für das Wachstum und die Attraktivität ihrer Unternehmen. Das ist kein Vorwurf an die Casino-Industrie, die ihre Aufgabe macht: Sie entwickelt den Standort und baut aus. 

Es ist ganz klar, den Casinos gefällt es auch nicht, dass es so viele davon gibt. Das Moratorium schafft dabei fast eine geschützte Situation. Der Casinoverband sagt zurecht, das ist nicht ihre Verantwortung, die Verantwortung liegt bei der Politik. Die Politik hat diese Casino-Flut zu verantworten hat. 

Willi Frommelt: Da möchte ich noch etwas einfügen. Praktisch alle Länder haben die Anzahl Casinos limitiert. Bei uns ist der Markt total offen. Wenn wir in die Schweiz schauen, werden dort Konzessionen vergeben, 22 die auf 24 aufgestockt werden sollen. Aber das entscheidet die Schweiz. Bei unserer Rechtslage entscheiden wir das nicht mehr . Das sind die ausländischen Grosskonzerne oder Investoren, die sagen, wir gehen oder wir gehen nicht. Da können wir als Bürger, wenn diese Konzerne die Bedingungen erfüllen, überhaupt nichts mehr dazu sagen. Auch die Regierung nicht. 

Tanja Cissé: Frau Monauni, am Anfang hiess es, der Markt wird es regeln, man muss nicht in die Politik eingreifen. Das hat sich jetzt ein wenig verändert. Wie sehen Sie die Situation jetzt wo zwei Casinos zugemacht haben. Ist der Peak erreicht, wie es der Casinoverband sagt, oder können Sie den Befürchtungen der IG-Volksmeinung etwas abgewinnen, die sagt, dass noch mehr kommen. 

Sabine Monauni: Es ist schwierig, ganz klar vorauszusagen, wie es weitergeht. Wir haben uns für ein Bewilligungssystem entschieden,damit der Markt das ein Stück weit reguliert. Wir versuchen mit unseren Massnahmen entgegenzusteuern, damit wir die Eintrittshürden erhöhen und die Attraktivität reduzieren. Aber es ist ganz klar nicht die Position der Regierung, dass wir den Markt tot machen wollen.

Wir möchten das Glücksspiel in Liechtenstein ermöglichen. Deshalb müssen wir dort jetzt einen Balance finden, damit wir die Attraktivität reduzieren und gleichzeitig nicht den Markt total kaputt machen. Dort unterscheiden wir uns von den Initianten. Die Initianten wollen ein absolutes Verbot, weil sie Casinos per se verwerflich und schlecht finden. Wir finden das nicht.

Wir werden noch weiter gehen, bis die Anzahl Casinos in ein paar Jahren reduziert sein wird.

Wir sind für einen hohen Spielerschutz und für eine strenge Regulierung und Aufsicht. Das scheint uns sehr viel zielführender zu sein als ein absolutes Verbot, bei dem die Spielsüchtigen dann in die Illegalität ausweichen. Daher sind wir dafür, dass wir den Markt kontrollieren, mit zielgerichteten und strengen Massnahmen.

Und ich gehe davon aus, dass mit diesen Massnahmen die auch im Vergleich zur Schweiz sehr streng sind, und wenn wir jetzt noch weiter gehen und das werden wir, bin ich der Meinung, dass die Anzahl Casinos in ein paar Jahren reduziert sein wird. Hinzu kommt der Austausch der Sperrlisten, der einzigartig ist. Das kennt kein einziges Land, grenzüberschreitender Austausch von Sperrlisten. 

Tanja Cissé: Hat man sich da ein Ziel gesetzt? Denn der Bürger weiss ja am 29. nicht was er sonst bekommt, wenn er sagt, nein, ein Verbot will ich nicht. Wohin soll der Weg gehen? Worauf zielen die Massnahmen der Politik? Auf drei oder auf fünf Casinos? Oder auf nicht mehr als es bereits gibt? 

Sabine Monauni: Das kann ich nicht sagen, ich kann nur sagen, es wird weniger werden. Ich gehe davon aus, dass es vermutlich zwei bis drei Casinos haben wird. Aber das ist schwer zu sagen, denn wie gesagt wir haben ein System bei dem wir nicht wie in der Schweiz eine Bewilligungsanzahl festlegen. Das hat der Landtag damals so entscheiden. Es ist ein Bewilligungssystem und wir können als Regierung nur die Rahmenbedingungen setzen.

Es ist ein Bewilligungssystem, wir können nur die Rahmenbedingungen setzen.

Und die Rahmenbedingungen setzen wir so, indem wir sagen, wir möchten diese Marktkonsolidierung, die schon im Gange ist. Es haben ja bereits zwei Casinos geschlossen. Wir wollen diese Marktkonsolidierung beschleunigen. Es ist klar, dass es sich beim Casino-Gewerbe um einen jungen Markt handelt, den es erst seit sechs Jahren gibt. Dass das Zeit beansprucht und nicht von heute auf morgen geregelt wird, das ist auch klar.

Wir müssen ja auch zuerst unsere Erfahrungen sammeln. Aber ich finde es ehrlich gesagt jetzt auch schwierig für eine Branche zu sagen, wir werfen das System über den Haufen. Ich finde, wir haben auch eine gewisse Verantwortung, gerade ich als Wirtschaftsministerin, dass wir eine gewisse Verlässlichkeit auf dem Markt haben.

Wirtschaftsministerin Sabine Monauni.

Bild: Mario Marogg

Reinhard Fischer und Markus Kaufmann vom Casino-Verband (v.l.).

Bild: Mario Marogg