Von Israels Armee erschossene Geiseln trugen weisse Fahne 

Gaza/Tel Aviv - Die am Freitag versehentlich vom israelischen Militär im Gazastreifen erschossenen drei israelischen Geiseln hätten eine weisse Flagge hochgehalten. Das gehe aus ersten Ermittlungsergebnissen hervor, teilte das israelische Militär am Samstag mit. 

16. Dezember 2023 | News International
Politik

Ein Soldat habe die drei Geiseln in mehreren zehn Metern Entfernung auftauchen sehen, sagte ein Sprecher. Die Armee hatte schon zuvor gelobt, kĂĽnftig vorsichtiger zu sein.

Die israelischen Streitkräfte seien nach der versehentlichen Tötung von drei Geiseln im Gazastreifen zu erhöhter Vorsicht angewiesen worden. „Wir haben unseren Soldaten gesagt, dass sie zusätzliche Vorsicht walten lassen sollen, wenn sie mit Personen in Zivilkleidung konfrontiert werden“, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus dem US-Fernsehsender CNN. Medienberichten zufolge gingen Hunderte Israelis am Freitag in Tel Aviv aus Protest gegen den Vorfall auf die StraĂźe.

Noch sei ungeklärt, wie es zu dem Vorfall kommen konnte, sagte Conricus. Der Sprecher wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Kämpfer der militanten Palästinenser-Organisation Hamas in Zivilkleidung gegen Israels Armee kämpften. „Ein trauriges Ereignis wie dieses wird unsere Entschlossenheit nicht erschĂĽttern und uns nicht von unserem klaren Ziel ablenken, die Hamas zu zerschlagen“, betonte Conricus. 

Die Armee hatte am Freitagabend bekanntgegeben, dass die eigenen Streitkräfte während eines Einsatzes in der Hamas-Hochburg Shejaiya im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens die drei männlichen Geiseln fälschlicherweise als Bedrohung identifiziert und auf sie geschossen hätten. Es sei bisher unklar, wie sie in das Gebiet des Kampfgeschehens geraten konnten.

So werde untersucht, ob sie ihren Entführern entkommen oder absichtlich zurückgelassen worden seien, hieß es. Die Kämpfe fänden in einer zivilen und daher sehr herausfordernden Umgebung statt, sagte Conricus. So seien fast alle gegnerischen Einheiten, die die israelischen Truppen mit Panzerbüchsen angriffen, in Zivil gekleidet.

Am 1. Dezember waren eine Feuerpause zwischen der israelischen Armee und den Kämpfern der radikal-islamischen Hamas und damit auch der Austausch von Geiseln und Gefangenen ausgelaufen. Die Feuerpause im neuen Nahost-Krieg seit den Hamas-Massakern in Israel vom 7. Oktober dauerte sieben Tage. 

(APA/dpa) 

 

 

Demonstration in Tel Aviv fĂĽr BemĂĽhung um Geisel-Freilassung.

Bild: ALBERTO PIZZOLI