„blingbling“ ist visuelle Vibration in Sprache ├╝bersetzt

Das K├╝nstlerinnenduo Fulterer Scherrer entwickelt ein f├╝r die ehemalige Montagehalle des Kunstraum Dornbirn geschaffenes Konzept neuer Arbeiten mit Raumbezug: In poppigen Farben, oberfl├Ąchlich scheinender ├ästhetik und sinnlichen Materialverbindungen adressieren die K├╝nstlerinnen virale Fragen nach Identit├Ąt, Sexualit├Ąt, Macht und Wirklichkeitskonstruktion.┬á

22. November 2023 | Redaktion
Kultur

Die grossformatigen, nahezu elliptischen Skulpturen bestehen aus einem Holzrahmen, dessen Oberfla╠łchenstruktur an den lasierten Neonfarbfla╠łchen noch leicht erkennbar ist. Die hohlen Rahmen sind mit farbigem Kunstleder ummantelt und bespannt. Das Material ruft alle Assoziationen von Echtleder in Struktur und Haptik auf, ist jedoch als Imitat ÔÇô als eine organisch anmutende Nachahmung im Abgleich und Gegensatz zum gewachsenen Holz ÔÇô erkennbar.┬á

Gedankliche Referenzen sind den Betrachtenden u╠łberlassen┬á

Wobei die ka╠łuflichen Produkte oftmals als billig erlebt werden und die gedanklichen Verzweigungen fu╠łr die Materialverwendung durch die nachgeahmte Verwandtschaft zur Haut, dem gro╠łssten menschlichen Organ mit komplexem Sensorium, bis zu Fetischkleidung reichen.

Fulterer Scherrer spielen gekonnt mit diesen Referenzen, die in Form stellvertretender Merkmale verarbeitet werden ÔÇô Merkmale, die nicht nur fu╠łr die heutigen Mo╠łglichkeiten industrieller Produktion, sondern weiterreichend auch fu╠łr den gesellschaftlichen Umgang mit und die (teils marginalisierte oder versteckte) Verwendung von Materialien mit Zeitzeugencharakter stehen.

Die kunstledernen Fla╠łchen werden nicht nur u╠łber die Rahmen gespannt und verna╠łht, wobei sie in Farbgebung und Kombination durchaus abstrakte Farbfla╠łchen in sinnlicher Verbindung bilden. Es werden auch Faltungen entworfen, die als Dekor dienen und den Ko╠łrper des Rahmens erweitern oder herabha╠łngende Gurte hinzuf├╝gen, die keiner klar definierten Funktion dienen und die gedanklichen Referenzen den Betrachtenden u╠łberlassen.┬á

Lustvolles Zusammenspiel von Materialien, Elementen und Farbigkeiten

O╠łsen und Nieten von u╠łberproportionalen Ausmassen halten Holz und Kunstleder zusammen oder bieten Aufha╠łngepunkte fu╠łr die Installation ÔÇô sind also in ihrer eigentlichen Funktion eingesetzt, nur eben stark vergro╠łssert. Die Farbigkeit der ku╠łnstlerischen Werke steht dabei der beige-gra╠łulichen Architektur der ehemaligen Montagehalle gegenu╠łber. Die Farbpalette reicht von Pastell bis Neon und wird in der Kombination sowohl harmonierend als auch kontrastierend verwendet.

Aus dem lustvollen Zusammenspiel der verwendeten Materialien, Elemente und Farbigkeiten ergibt sich in der Gro╠łsse der Skulpturen ein sta╠łndiger Wechsel zwischen Abstraktion und Gegensta╠łndlichkeit. Der klingende Ausstellungstitel suggeriert, dass wir etwas erwarten du╠łrfen, was wir umgangssprachlich verstehen und ho╠łren: ÔÇ×blingblingÔÇť ist ein Gera╠łuschwort, das die visuelle Vibration der Arbeiten in Sprache u╠łbersetzt. Es hat sich Anfang der 1990er Jahre aus der Hip-Hop-Kultur kommend in der internationalen Alltagssprache etabliert.┬á

(pd/red)

INFO zur Ausstellung

Er├Âffnung:Donnerstag, 23. November 2023, 19 Uhr

Artist Talk: Freitag, 24. November 2023, 14 Uhr

Kuratorenf├╝hrung mit Thomas H├Ąusle:┬áDonnerstag, 25. Januar 2024, 18 Uhr

Laufzeit: 24.┬áNovember 2023 ÔÇô 4. Februar 2024


Fulterer Scherrer: „blingbling“, Kunstraum Dornbirn 2023/2024

Bild: G├╝nter Richard Wett

Fulterer Scherrer: „blingbling“, Kunstraum Dornbirn 2023/2024

Bild: G├╝nter Richard Wett