Viele Tote bei Anschlägen in Pakistan kurz vor Wahlen 

Islamabad - Einen Tag vor der Parlamentswahl in Pakistan sind bei zwei Anschlägen mindestens 26 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen wurden bei den Attacken in der Unruheprovinz Belutschistan verletzt, wie Behördenvertreter am Mittwoch mitteilten.

7. Februar 2024 | News International
Katastrophen & Unfälle

Die Angriffe richteten sich gegen zwei Wahlkampfbüros. Bei einem der Anschläge in der Stadt Pishin riss eine an einem Motorrad befestigte Bombe 14 Menschen in den Tod, mehr als 30 wurden verletzt.

Zur zweiten Explosion kam es laut Informationsminister in der Stadt Sayfullah. Nach Angaben eines Sprechers der Polizei vor Ort wurden zwölf Menschen getötet und neun verletzt. Beide Kandidaten hätten sich zum Zeitpunkt der Tat nicht in ihrem Büro aufgehalten. In einem Video in den sozialen Medien, das einen der Tatorte nach der Explosion zeigen soll, waren leblose Körper zwischen einer aufgebrachten Menschenmenge zu sehen.

Zunächst reklamierte keine Gruppe die Anschläge fĂĽr sich. Sowohl die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die pakistanischen Taliban (TTP) als auch Separatistengruppen sind in der Provinz aktiv.

Am Donnerstag wählt das sĂĽdasiatische Land mit mehr als 240 Millionen Einwohnern eine neue Nationalversammlung und die Provinzparlamente. Die Sicherheitslage in der Atommacht ist seit Monaten angespannt. Laut dem geschäftsfĂĽhrenden Innenminister Gohar Ejaz sollen rund 600’000 Sicherheitskräfte die Wahlen schĂĽtzen.

Vor allem Pakistans islamistische Taliban hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte verübt, bei denen auch zahlreiche Zivilisten getötet wurden. Die Gruppe ist unabhängig von den in Afghanistan regierenden Taliban, strebt aber ebenfalls eine strenge Durchsetzung des islamischen Scharia-Rechts an. Die TTP hatte gleichwohl jüngst angekündigt, die Parlamentswahl nicht durch Angriffe oder Anschläge stören zu wollen. Gleichzeitig betonten sie ihre anhaltende Feindschaft gegenüber den Sicherheitsbehörden.

Aufgrund der volatilen Sicherheitslage hatte das pakistanische Informationsministerium am Dienstag angekündigt, in einigen Teilen des Landes am Wahltag möglicherweise das Internet zu drosseln. Dies solle die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen senken, begründeten die Behörden die Massnahme.

Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, riefen die pakistanische Regierung dazu auf, den Zugang zum Internet sicherzustellen. Der uneingeschränkte Zugang zu Informationen sei ein Menschenrecht, hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung von Dienstagabend. Behörden müssten diesen Zugang für faire, freie und inklusive Wahlen gewährleisten. Auch in der Vergangenheit hatte die Regierung in Pakistan laut Amnesty bereits den Zugang zum Internet beschränkt, insbesondere um gegen die Opposition im Land vorzugehen.

Pakistan ist seit Jahren von mehreren Krisen gleichzeitig geplagt. Der Staat ist tief verschuldet, die Inflation sorgt für zunehmende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Beobachter hatten wiederholt Sorge vor einem unfairen Wahlgang ausgedrückt. Ex-Premier und Kricket-Legende Imran Khan ist inhaftiert. Anhänger seiner Oppositionspartei PTI dürfen nur als unabhängige Kandidaten antreten. Als Favorit geht der dreifache Premier und Großindustrielle Nawaz Sharif ins Rennen, der im Herbst 2023 aus dem Exil nach Pakistan zurückgekehrt und von Korruptionsvorwürfen freigesprochen worden war.

(APA/dpa/AFP)

 

 

Die Vorbereitungen fĂĽr die Wahlen laufen

Bild: FAROOQ NAEEM

 

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