Versicherungsleistungen werden dem Schweizer Vorbild angepasst 

Die Regierung hat in ihrer Sitzung vom Dienstag, AbÀnderungen der Krankenversicherungsverordnung (KVV) beschlossen. Diese treten ab April 2023 in Kraft.

24. MĂ€rz 2023 | Redaktion
Gesellschaft

Erweiterung „ambulant vor stationĂ€r“

Seit Januar 2019 galt in Liechtenstein eine Liste von sechs Gruppen von Eingriffen, die von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) grundsĂ€tzlich nur bei ambulanter DurchfĂŒhrung vergĂŒtet werden. Bei stationĂ€rer DurchfĂŒhrung mĂŒssen bestimmte Ausnahmekriterien erfĂŒllt sein. Dieses als „ambulant vor stationĂ€r“ bekannte Prinzip wird auf insgesamt 18 Gruppen von Eingriffen ausgedehnt, wie sie auch schweizweit gelten. 

Die Krankenversicherungsverordnung verweist ab April 2023 auf eine Schweizer Liste, der zu entnehmen sein wird welche Eingriffe unter die neue Regelung fallen. Die Liste ist abrufbar unter folgendem Link: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversicherung-leistungen-tarife/Aerztliche-Leistungen-in-der-Krankenversicherung/anhang1aklv.html

KostenĂŒbernahme bei Krankentransporten

Bei inlĂ€ndischen Krankentransporten ĂŒbernimmt die OKP grundsĂ€tzlich die vollen Kosten, bei solchen aus dem Ausland einen Beitrag von höchstens CHF 500. Dieser Höchstbetrag gilt kĂŒnftig sowohl fĂŒr bodengebundene Transporte als auch fĂŒr solche mit dem Helikopter.

Weil sich in der Praxis HĂ€rtefĂ€lle bei Transporten aus dem nahegelegenen Ausland ergeben konnten, werden Transporte aus den angrenzenden Kantonen St.Gallen und GraubĂŒnden sowie dem Bundesland Vorarlberg neu wie Inlandstransporte behandelt.

Definition Totgeburt beim Mutterschaftstaggeld

Bei einer Fehl- oder Totgeburt waren die Kassen oftmals mit der Frage konfrontiert, ob ein Taggeld bei Mutterschaft auszurichten sei. Mit der VerordnungsĂ€nderung erfolgt die gewĂŒnschte Klarstellung. 

DefinitionsgemĂ€ss, das heisst nach Schweizer Erwerbsersatzverordnung zum Bundesgesetz ĂŒber den Erwerbsersatz (EOV), entsteht erst ein Anspruch auf Mutterschaftstaggeld wenn ein Kind lebensfĂ€hig geboren wird, beziehungsweise wenn die Schwangerschaft mindestens 23 Wochen gedauert hat. Dies unabhĂ€ngig davon, ob die Mutter das Kind in der Folge verliert. Anspruch auf Krankengeld besteht in beiden FĂ€llen während 20 Wochen, wovon mindestens 16 Wochen nach der Niederkunft liegen müssen. 

Wenn der Geburt eine längere Arbeitsunfähigkeit vorangeht, beginnen die Taggeldleistungen vier Wochen vor der Geburt oder, wenn die Arbeitsunfähigkeit zu einen späteren Zeitpunkt eintritt, ab diesem Zeitpunkt. 

Krankengeldbezug bei Auslandsaufenthalt

Bislang bestand nur bei stationÀrem Aufenthalt in einer Heilanstalt oder Àrztlich geleiteten Kuranstalt Anspruch auf Krankengeld. Diese Regelung hat sich in der Praxis als zu restriktiv erwiesen, weshalb Krankengeld neu auch bei einer ambulanten Behandlung im Ausland ausgerichtet werden kann. Um Missbrauch zu verhindern und entsprechende Kontrollen zu ermöglichen, wird dabei eine vorgÀngige Kostengutsprache durch die Kasse vorausgesetzt.

Ärztliche Leistungen

Als neue Leistung, die unter genau definierten Voraussetzungen von der OKPÂ ĂŒbernommen wird, ist die CAR-T-Zelltherapie („Chimeric Antigen Receptor-T-Zellen“) besonders zu erwĂ€hnen. Bei dieser neuartigen Krebstherapie werden dem Patienten oder der Patientin eigene Abwehrzellen entnommen, im Labor aufbereitet und ĂŒber eine Infusion wieder zugefĂŒhrt. Idealerweise vermehren sie sich in der Folge und fĂŒhren zu einer heftigen und langanhaltenden Immunreaktion gegen den Krebs.

Der Anhang zu den Ă€rztlichen Leistungen wurde zudem einer gesamthaften Bereinigung und Neustrukturierung unterzogen, ohne dass dies Änderungen in Bezug auf die Leistungspflicht zur Folge hĂ€tte. Bei den Arztleistungen sind die OKP-Leistungskataloge der Schweiz und Liechtensteins somit wieder weitgehend harmonisiert.

(ots/rif)



Das als „ambulant vor stationĂ€r“ bekannte Prinzip wird auf insgesamt 18 Gruppen von Eingriffen ausgedehnt. 

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