Kinderrechte aus Kindersicht

Wie steht es eigentlich mit der Umsetzung der Kinderrechte in Liechtenstein? Im Rahmen einer Studie wurden Antworten gesammelt - gleich bei den Kindern selbst.

29. November 2022 | Rita Feger
Gesellschaft

Am 20. November, gedachte die internationale Gemeinschaft dem Tag der Kinderrechte. Gemeint ist damit der Jahrestag, an dem 1989 die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde. Weltweit werden Kinderrechte eher schlecht als recht wahrgenommen. Armut, Missbrauch und Gewalt sind Themen, denen besonders Kinder schutzlos ausgeliefert sind. Es drÀngt sich daher die Frage auf, wie effektiv die Kinderrechte in Liechtenstein umgesetzt werden. 

Zu diesem Zweck haben die UNICEF Schweiz und Liechtenstein zusammen mit dem Institut fĂŒr Soziale Arbeit und RĂ€ume (IFSAR) des Departements der Sozialen Arbeit der OST-Ostschweizer Fachhochschule zwischen 2019 und 2020 die wahren Experten in diesem Gebiet befragt. Insgesamt 1715 Kinder und Jugendliche (im Folgenden “Kinder”), 1428 aus der Schweiz und 287 aus Liechtenstein im Alter zwischen neun bis 17 Jahren, gaben im Rahmen einer Online-Umfrage Auskunft. Ausgangspunkt der Befragung waren die vier Grundprinzipien, auf die sich alle 54 Artikel der Kinderrechtskonvention beziehen.

Die vier Grundprinzipien der Kinderrechtskonvention 

Das erste Grundprinzip ist das Recht auf Gleichbehandlung. Danach darf kein Kind aufgrund von Àusseren Merkmalen wie beispielsweise dem Geschlecht, der Herkunft oder der Religion benachteiligt werden.

Das zweite Grundprinzip ist das Recht auf Wahrung des Kindeswohls. Entscheidungen auf staatlicher Ebene und im familiÀren Umfeld haben sich stets nach dem Kindeswohl zu orientieren.

Weiter postuliert die Kinderrechtskonvention das Recht auf Leben und Entwicklung. Entsprechend muss jedes Kind Zugang zu medizinischer Versorgung und Grundbildung haben. Dieses Grundprinzip umfasst auch den Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung.

Schliesslich zÀhlt das Recht auf Anhörung und Partizipation zu den vier Grundprinzipien der UN-Kinderrechte. Dieses besagt, dass Kinder als Personen ernst genommen und respektiert werden sollen. Dazu gehören altersgerechte Information und die Einbindung der Kinder in die Entscheidungsfindung.

Armut behindert die persönliche Entwicklung 

In Bezug auf das Gleichbehandlungsprinzip zeigt die Studie, dass von Armut betroffene Kinder ihre Rechte nur bedingt wahrnehmen können. Armutsbetroffene Kinder fĂŒhlen sich in allen Lebensbereichen unsicherer als Kinder, die im Wohlstand aufwachsen dĂŒrfen. Sie werden weniger in Entscheidungsprozesse einbezogen und erfahren vermehrt Diskriminierung und Gewalt. Ausserdem fehlen im Umfeld Ă€rmerer Kinder oft die Bezugspersonen, denen sie ihre Probleme anvertrauen können. 

Kinder brauchen Freizeit und ein offenes Ohr 

Zur Förderung des Kindeswohls gehören Aspekte wie dem Kind Zuhören und ihm entsprechend Zeit zu widmen beziehungsweise freie Zeit zur VerfĂŒgung zu stellen. In den Lebensbereichen Familie, Schule und Freizeit gaben die Kinder an, dass Erwachsene ihnen mehrheitlich zuhören und sich Zeit für sie nehmen. Hatten die Eltern jedoch einen zeitintensiven Beruf, fiel das Ergebnis anders aus. 

Fast alle Kinder sind Gewalt erfahren 

Hinsichtlich des Rechts auf Schutz und gewaltfreies Aufwachsen gab die Mehrheit der Kinder an, sich in Familie, Schule, Freizeit, Wohnort sicher bis sehr sicher zu fĂŒhlen. GemĂ€ss den Autoren der Studie soll dieses Ergebnis jedoch nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Diskriminierung, Gewalt und Strafen in Familie und Schule  zum Alltag vieler Kinder gehören. Beinahe alle befragten Kinder hĂ€tten bereits in irgendeiner Form Strafe und Gewalt erfahren. So fĂŒhlten sich fast 15 Prozent der Kinder in der Schule nur mittelmässig bis gar nicht sicher, wĂ€hrend es im Internet mehr als doppelt so viele waren. 

Ausserhalb der Familie haben Kinder kaum Mitspracherecht

Kinder werden am hĂ€ufigsten in der Familie nach ihrer Meinung gefragt. HIngegen wird ĂŒber die HĂ€lfte aller befragten Kinder nicht nach ihrer Meinung gefragt, wenn es um SchĂŒlerbelange geht. Ähnlich viele Kinder werden ĂŒbersehen, wenn Entscheidungen auf Gemeinde- und Quartiersebene getroffen werden. Ausserdem weiss fast ein Drittel der Kinder nicht, an wen sie sich wenden müssten, wenn sie an ihrem Wohnort etwas verändern möchten. 


Veranstaltung der Kinderuni an der UniversitÀt Liechtenstein anlÀsslich des internationalen Tags der Kinderrechte.

Bild: Fabio Schober

Am Workshop an der Kinderuni Liechtenstein lernten die Kinder dass sie Rechte haben.

Bild: Fabio Schober