Streetwork Liechtenstein: Zu Gast im öffentlichen Wohnzimmer 

Vor drei Jahren wurde das Pilotprojekt Streetwork Liechtenstein gestartet das seit September auch landesweit angeboten wird. Worum es dabei genau geht, darüber informierten am Mittwoch im Rathaussaal Schaan das Streetwork-Team Olivia Heeb und Magnus Hassler, Geschäftsleiter Markus Büchel sowie Bürgermeister Daniel Hilti. 

1. Dezember 2023 | Rita Feger
Gesellschaft

Mit dem Ziel, Menschen im öffentlichen Raum eine helfende Hand zu bieten, wurde vor drei Jahren das Projekt Streetwork Liechtenstein ins Leben gerufen. Anfänglich wurden die Dienste der Sozialarbeiter nur in Schaan angeboten, seit September dieses Jahres wurde das Angebot jedoch auf das gesamte Land ausgeweitet. Daniel Hilti, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Sovort und BĂĽrgermeister von Schaan erklärt: „Da sich die Probleme nach der GrĂĽndung 2020 auch auf andere Gemeinden ausgedehnt haben, wollten wir uns auch dort engagieren.“

Ein Vorschlag, den auch die Regierung unterstützte, indem die Hälfte der Finanzierung im Umfang von 220’000 Franken Personalkosten vom Land übernommen wurde. Die anderen elf Gemeinden des Landes haben ebenfalls ihre Zustimmung gegeben und finanzieren den Restbetrag. 

Konfliktpotenzial im öffentlichen Raum reduzieren

Zu den Mitarbeitenden von Streetwork Liechtenstein zählen seit September Olivia Heeb, Magnus Hassler und Markus Büchel, Geschäftsleiter der OJA Liechtenstein, der auch das Pilotprojekt leiten wird. Streetwork Liechtenstein läuft nun landesweit bis Ende 2025. Danach wird entschieden, ob es weitergeführt werden soll. 

Das Angebot richtet sich an alle Personen, die sich einzeln oder in Gruppen an selbst gewählten Orten im öffentlichen oder halböffentlichen Raum des Landes Liechtenstein aufhalten. Diese Orte umfassen unter anderem Strassen und Fussgängerzonen, Hauseingänge, Tiefgaragen, Parks und Plätze sowie Einkaufszentren.

Durch aktive Kontaktaufnahme und die Herstellung von Beziehungen mit betroffenen Personen soll Konfliktpotenzial im öffentlichen Raum reduziert werden. Konfliktpartner können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen sein, deren Interessen gefährdet sind. Ein Beispiel ist die regelmässige Sachbeschädigung an Bushaltestellen oder wenn eine Gruppe übermässig viel Platz an einem stark frequentierten Ort einnimmt.

Vertrauen durch Zurückhaltung und Wertschätzung

Mit ihrem Angebot versucht das Team von Streetwork Leichtenstein bei Nutzungskonflikten, wie im Falle von Lärmbelästigung, zu vermitteln. Es greift allerdings nur aktiv ein, wenn Unterstützung der Konfliktbeteiligten erwünscht und erforderlich ist. Hilfsbedürftige Menschen kann das Team an bestimmte Einrichtungen weitervermitteln, insbesondere wenn die Betroffenen Beratung oder Betreuung bei ihrem Alltagsmanagement oder für ihre Lebensperspektive benötigen. 

Ansonsten bietet das Streetwork-Team individuelle Vor-Ort-Hilfe. Was die Zielpersonen jedoch oftmals bloss wĂĽnschten sei ein offenes Ohr, weiss Olivia Heeb. Sie berichtet von Personen, die sich bei ihr fĂĽrs Zuhören bedankt hätten, weil das manchmal alles sei, was manchen fehle – jemand, der zuhört. 

In der Regel öffnen sich Fremde, aber nur Personen, die auch Vertrauen erwecken. Dafür bedarf eines respektvollen Umgangs. Respekt gegenüber den Adressaten von Streetwork gilt daher als oberstes Prinzip. So erklärt Magnus Hassler: “Wir sind nur Gast bei den Menschen, denen wir uns nähern. Sie bestimmen die Regeln. Wir verhalten uns so, als ob wir ihr Wohnzimmer betreten. Unsere Türöffner sind dabei die Zurückhaltung und die Wertschätzung des Gegenübers.“


Olivia Heeb: „Manchmal reicht auch schon zuhören“ Bild: Mario Marogg

 

Markus Hassler macht auf die Problemfelder aufmerksam. Bild: Mario Marogg

 

Markus BĂĽchel informiert ĂĽber die Projektentstehung. Bild: Mario Marogg



Streetworkerin Olivia Heeb, Streetworker Magnus Hassler, GeschäftsfĂĽhrer Markus BĂĽchel und BĂĽrgermeister Daniel Hilti (v.l.) informieren ĂĽber das Projekt „Streetwork Liechtenstein“.

Bild: Mario Marogg