Sind wir schon tot?

ArtistÔÇÖs Choice: Martina Morger. Are We Dead Yet? Eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Martina Morger.
Vom 17. Februar ÔÇô 6. August 2023

13. Februar 2023 | Redaktion
Kultur

Die Performance- und Multimediaku╠łnstlerin Martina Morger (*1989 in Vaduz) setzt sich in ihren Arbeiten kritisch mit gesellschaftlichen Themen unserer Zeit auseinander. Fu╠łr die Ausstellung Are We Dead Yet? tritt die Gewinnerin des Manor Kunstpreises (St. Gallen, 2021) als Kuratorin auf und bildet damit den Auftakt zur neuen Ausstellungsreihe ArtistÔÇÖs Choice: Ku╠łnstler:innen werden eingeladen, Werke aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein auszuwa╠łhlen, um eine Pra╠łsentation zu realisieren. Auf diese Weise wird die Museumssammlung einer aktuellen Reflexion unterzogen und neu ┬źaufgeladen┬╗.

Martina Morger hat sich bereits mehrfach mit den o╠łkonomischen Bedingungen unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, in der sie selbst aufgewachsen ist, bescha╠łftigt. Sie identifiziert Lu╠łcken, benennt das Unausgesprochene, veranschaulicht Relationen oder Diskrepanzen und animiert in ihrer zum Teil kompromisslosen ku╠łnstlerischen Arbeit zum Weiterdenken. In Are We Dead Yet? knu╠łpft Morger als Kuratorin daran an und zeigt Werke, die eine Reflexion u╠łber das Pha╠łnomen der allgegenwa╠łrtigen Erscho╠łpfung in unserer Gesellschaft anregen.

Sind wir schon tot? Oder einfach mu╠łde? Diesen Fragen geht Martina Morger anhand von rund 20 Sammlungswerken ÔÇô unter anderem von Edith Dekyndt, Latifa Echakhch, Christoph Getzner/Markus Getzner, Anne Marie Jehle, Marcel Odenbach, Gina Pane, Pamela Rosenkranz oder Aleksandra Signer ÔÇô nach. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Videoarbeiten. Viele der ausgewa╠łhlten Werke wurden seit la╠łngerem nicht ausgestellt oder werden zum ersten Mal dem Publikum pra╠łsentiert. Ein installativer Eingriff von Morger selbst kleidet das Thema mit einem grossen Samtvorhang in eine weiche wohlwollende Hu╠łlle.

┬źImmer das Leben ausscho╠łpfend und vom erscho╠łpften Leben erza╠łhlend, sieht sich der Mensch in der Mitte von allem┬╗, so die Kuratorin kritisch. Ihre Auswahl zeugt von der Suche nach Bedu╠łrfnissen, die wir aufgegeben haben zu stillen oder nahezu daran scheitern, wie sie erkla╠łrt: ┬źDie Sehnsucht nach letzten Verabschiedungen, schwindenden Erinnerungen, fast Vergessenem umgarnt uns immer wieder in nostalgischem Wohlsein. Wa╠łhrend Weggeworfenes, Zuspa╠łtgekommenes, Abwesendes, Totgeglaubtes und Todgeweihtes um unser momentanes Empfinden kreist wie Geier im Anflug auf das heissgeliebte Aas.┬╗

Performance

Im Rahmen der Veranstaltung Mittwoch XL findet am 26. April 2023 eine von Martina Morger kuratierte Performance statt. Sie la╠łdt die Ku╠łnstlerin Gemma Jones aus Glasgow ein, eine Performance im Kunstmuseum zu pra╠łsentieren, die als Reaktion auf die Sammlungsausstellung entsteht.

Ku╠łnstler:innen der Ausstellung

Giovanni Anselmo, Edith Dekyndt, Latifa Echakhch, Jochen Gerz, Christoph Getzner & Markus Getzner, Leiko Ikemura, Anne Marie Jehle, Gemma Jones, Anna Kołodziejska, Matt Mullican, Bruce Nauman, Cady Noland, Marcel Odenbach, Gina Pane, Pamela Rosenkranz, Aleksandra Signer, Erik Steinbrecher, Nora Turato, Erich Weiss.

Kurzbiografie

Martina Morger (*1989 in Vaduz, Liechtenstein) studierte Medien- und Kulturwissenschaften an der Universita╠łt Zu╠łrich und Mediale Kunst an der Zu╠łrcher Hochschule der Ku╠łnste (ZHdK) und der Universita╠łt fu╠łr angewandte Kunst Wien (Die Angewandte), bevor sie 2019 an der Glasgow School of Arts den Master in Fine Art Practice absolvierte. Als Ko-Kuratorin von Perrrformat bringt sie Performancekunst an wechselnde o╠łffentliche Orte in und rund um Zu╠łrich. Als Mitglied mehrerer Kollektive und Gewerkschaften setzt sie sich fu╠łr die Rechte und Anliegen von Ku╠łnstler:innen ein.

2020 war sie Atelierstipendiatin an der Cite╠ü Internationale des Arts in Paris. 2021 erhielt sie den Manor Kunstpreis, einen der wichtigsten Fo╠łrderpreise zeitgeno╠łssischen Kunstschaffens in der Schweiz. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Kunstmuseum St. Gallen & Appenzell, im Centre for Contemporary Arts in Glasgow, im Yarat Contemporary Art Space in Baku, im CAFA Art Museum Beijing und in der schottischen Nationalgalerie gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Balzers und Hannover.

Weiterfu╠łhrende Links:

Martina Morger: www.martinamorger.com

Perrrformat: https://perrrformat.com/

Gemma Jones: https://gemmajonesperformance.cargo.site/

(Kunstmuseum Liechtenstein)

Alexsandra Signer, Am Fenster (2006)

Bild: Kunstmuseum Liechtenstein

Matt Mullican, Untitled (1973-2007)

Bild: Kunstmuseum Liechtenstein