Konferenz zur Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frauen

Bern - Bundespräsident Alain Berset eröffnete heute in Bern die «Nationale Konferenz Gleichstellung 2030». Über 350 Regierungsmitglieder, Verantwortliche aus Politik und Verwaltung sowie Fachpersonen diskutieren über die Umsetzung der Gleichstellungsstrategie, die vor zwei Jahren vom Bundesrat verabschiedet wurde.

27. Juni 2023 | Redaktion
Welt

In der Schweiz verdienen Frauen im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer – das entspricht 1500 Franken pro Monat. Die unerklärte Lohndifferenz liegt bei knapp acht Prozent. Die Lohnunterschiede sorgen dafĂĽr, dass Frauen eine viel geringere Altersrente haben. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit ist während ihres ganzen Lebens eingeschränkt und sie haben ein höheres Risiko, von Armut betroffen zu sein.  

Auf dem Weg zu null Prozent Lohnungleichheit 

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Bundespräsident Alain Berset an die Zielsetzung der Gleichstellungsstrategie: «Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern soll in der Schweiz bis 2030 beseitigt werden.» Um dies zu erreichen, sind Anstrengungen auf mehreren Ebenen erforderlich, darunter die Abschaffung des unerklärten Teils der Lohndifferenz. Dazu braucht es das Engagement des öffentlichen und privaten Sektors gleichermassen.

Um allen Arbeitgebenden dieses Ziel zu erleichtern, stellt der Bund «Logib» zur Verfügung. Die Module 1 und 2 des Webtools Logib ermöglichen grossen wie auch kleinen Unternehmen einfach und kostenlos eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu identifizieren. Ab 2024 wird Logib Modul 1 neu einen Zielwert ausweisen. Dieser Zielwert von 2.5 Prozent soll Arbeitgebende anspornen, unerklärte Lohnunterschiede kontinuierlich und rasch zu senken. Logib wird national breit genutzt und ist international anerkannt.

Tool fĂĽr geschlechtsneutrale Lohnsystemen

Das Webtool Logib wird ab heute um eine neue Funktionalität erweitert, die es Arbeitgebenden ermöglicht, eine Funktionsbewertung vorzunehmen und ein geschlechtsneutrales Lohnsystem zu erarbeiten. Dadurch soll die Einhaltung des verfassungsrechtlichen Anspruchs auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit weiter erleichtert werden. «Logib Lohnsystem» ist ab heute in einer Pilotversion auf Deutsch und Französisch für alle interessierten Arbeitgebenden kostenlos verfügbar.

Starkes Engagement auf allen Ebenen

Im weiteren Verlauf der Konferenz werden die Schweizer Regierungsrätinnen Astrid Bärtschi (BE), Florence Nater (NE) und Isabelle Moret (VD) zeigen, welche Massnahmen für die Lohngleichheit sie in ihren Kantonen umsetzen. Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried, der Genfer Stadtpräsident Alfonso Gomez und die Co-Stadtpräsidentin Carmen Tanner von Yverdon-les-Bains werden präsentieren, wie sie die Gleichstellung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen fördern. Roberto Cirillo, Konzernleiter der Schweizerischen Post, und Christoph Aeschlimann, CEO der Swisscom, werden zusammenfassen, wie sie als bundesnahe Unternehmen die Gleichstellung von Frau und Mann angehen.

Massnahmen fĂĽr die Gleichstellungsstrategie

Die Gleichstellungsstrategie 2030 ist die erste nationale Strategie des Schweizer Bundes mit dem Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter gezielt zu fördern. Der Bundesrat hat sie 2021 verabschiedet. Inzwischen enthält der Aktionsplan der Strategie mehr als 200 Massnahmen. Der Aktionsplan wird kontinuierlich ergänzt und aktualisiert.

Anlässlich der «Nationalen Konferenz Gleichstellung 2030» werden Massnahmen aus allen vier Handlungsfeldern der Strategie präsentiert und diskutiert: Berufliches und öffentliches Leben, Vereinbarkeit und Familie, Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung. Die Konferenz soll insbesondere auch als Anstoss für neue konkrete Massnahmen dienen. 

Die Konferenz wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG organisiert, welches für die Koordination der Gleichstellungsstrategie 2030 zuständig ist.

(pd/red)

Info: https://youtu.be/ne8mI11CeVM

 

Frauen haben ein höheres Risiko, von Armut betroffen zu sein.

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