Schweizer ermöglichen FlĂŒge in SĂŒdsudan-FlĂŒchtlingskrise

Ärzte, Medizin und Nahrungsmittel werden vom Flugunternehmen MAF (Mission Aviation Fellowship) in den Norden des SĂŒdsudan geflogen, wo sich aktuell Tausende Sudan-FlĂŒchtlinge befinden. Auf den RĂŒckflĂŒgen werden Verwundete in die Hauptstadt Juba gebracht. Mittendrin: Der Programmleiter Benjamin Klassen.

21. Juli 2023 | Redaktion
Gesellschaft

Der Krieg im Sudan weitet sich aus und treibt die leidgeprĂŒfte Bevölkerung in die Flucht. «Es sind bereits mehr als 130‘000 Menschen in den SĂŒdsudan geflohen. 90 Prozent von ihnen sind RĂŒckkehrer», bilanziert der Schweizer Benjamin Klassen. Er leitet vor Ort das MAF-SĂŒdsudan-Programm und lebt in der Hauptstadt Juba. 

Bereits vor dem Krieg im Nachbarland waren zwei Drittel der Menschen im SĂŒdsudan auf externe Hilfe angewiesen. «Es herrschte bereits eine Notsituation, die sich jetzt noch verschlimmert. Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts verheissen nichts Gutes.» 

Landweg teils unmöglich 

Renk ist der nördlichste und abgelegenste Ort, an dem sich Vertriebene einfinden. An der Grenze werden sie vom UNHCR (FlĂŒchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) und der IOM (Internationale Organisation fĂŒr Migration) registriert. Ein Teil wird von Renk aus auf dem Nil weitergefĂŒhrt. Die schwierigen StrassenverhĂ€ltnisse in der Regenzeit und das Fehlen schiffbarer Flusssysteme machen die Versorgung von Renk auf dem Landweg schwierig, wenn nicht gar unmöglich. 

Die Strecke vom dĂŒnn besiedelten Gebiet in die Hauptstadt Juba entspricht – Luftlinie – ungefĂ€hr der Strecke von Bern nach Barcelona. 

Entsprechend ist der Lufttransport die zuverlĂ€ssigste Methode, um den dringenden humanitĂ€ren Bedarf zu decken. Bei den FlĂŒgen in den Norden bringt MAF Ärzte und Nothelfer, medizinische Materialien, Nahrungsmittel sowie weitere HilfsgĂŒter nach Renk. Und die RĂŒckflĂŒge in den entladenen Maschinen dienen der ÜberfĂŒhrung verletzter Menschen. 

Unterschied durch Notversorgung 

«Leider kommen die verschiedenen Organisationen mit dem Transfer nicht schnell genug voran und die Situation in den Transit-Zentren verschlechtert sich tĂ€glich», beobachtet Benjamin Klassen. Wir als MAF haben eine begrenzte KapazitĂ€t mit unseren vergleichsweise kleinen Cessna Caravan.» Daher konzentriert sich MAF auf Verwundete. Unter ihnen war beispielsweise eine Frau, die in der sudanesischen Hauptstadt Khartum angeschossen worden war und die – nach schweren Strapazen im SĂŒdsudan angekommen – dringend von Renk nach Juba gebracht werden musste. 

«Es sah aus wie in Afghanistan» 

Bis Ende Mai arbeitete David Graf vor Ort als MAF-Pilot (seine Geschichte wurde kĂŒrzlich in «SRF bi de LĂŒt – Heimweh» dokumentiert). Er erinnert sich an die Szenerie: «Um eine humanitĂ€re Katastrophe im Norden zu verhindern, waren wir bereits frĂŒh im Einsatz. Tausende FlĂŒchtlinge standen damals in der NĂ€he der Landebahn. Alle wollten irgendwo einen Platz erhalten, um in den SĂŒden zu gelangen. Die Bilder erinnerten an jene in Kabul, als die Taliban die afghanische Hauptstadt ĂŒberrannten, wenn auch wesentlich geordneter.» 

Bild: MAF

Unterdessen ist die Lage etwas ĂŒbersichtlicher. Die Situation am Flugplatz ist gut unter Kontrolle, die verschiedenen Organisationen versuchen nur Personen zum Flugplatz zu bringen, wenn ein Flug kurz bevorsteht. 

Benjamin Klassen: «Alle Organisationen inklusive den UN-Organisationen und weitere Hilfswerke, haben Probleme, die nötige Finanzierung von verschiedenen Geldgebern zu erhalten.» 

MAF baut LuftbrĂŒcke 

Die Regierung des SĂŒdsudans hat bekannt gegeben, dass die Grenzen fĂŒr alle Menschen offen sind, die vor dem Konflikt fliehen, ob mit oder ohne Reisedokumente; auch wenn es an allem mangelt. 

Vaughan Woodward, MAF-Direktor fĂŒr «Globale Katastrophenhilfe», spricht von einer LuftbrĂŒcke fĂŒr Hilfspersonal und HilfsgĂŒter, um den humanitĂ€ren Bedarf der Vertriebenen zu decken. «Das MAF-Programm im SĂŒdsudan unterstĂŒtzt NGOs im Land hervorragend, um auf die AnhĂ€ufung von FlĂŒchtlingen im Norden zu reagieren. Der SĂŒdsudan steht vor einer langsam einsetzenden Katastrophe, da die Situation im Sudan immer mehr Menschen zur Flucht zwingt. Durch unsere Katastrophenhilfe können mehr Ressourcen und Personal bereitgestellt werden, um den Bedarf vor Ort zu decken und um HilfsgĂŒter ein- und die SchwĂ€chsten auszufliegen.» 

Das Ausmass der Krise ist gross, «aber es besteht die Möglichkeit fĂŒr MAF, einen Teil des Bedarfs zu decken.» 

 (pd/red)

FlĂŒchtlingslager in Renk. Bild: MAF

→ Info: https://www.maf-schweiz.ch/

MAF-Team im SĂŒdsudan.

Bild: MAF