Sapperlot! – Fairplay geht anders

16. Oktober 2023 | Rita Feger
Kolumnen

David Sele, ehemaliger Volksblatt-Journalist, heute Angestellter bei der Medienhaus AG, schreibt im Meinungsformat “Sapperlot” der Tageszeitung “Liechtensteiner Vaterland” vom Montag, dass er oft gefragt werde was sich seit seinem Arbeitgeberwechsel für ihn verändert hätte. Neben dem Arbeitsort und dem Umfeld nennt er die Tatsache, dass es seit der Einstellung des “Volksblatts” keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr gebe, an der man sich in der täglichen Arbeit messen könne. 

Da hat er möglicherweise nicht unrecht, der Herr Sele. Woran aber könnte das liegen? Es folgt ein Erklärungsversuch:

Vielleicht liegt es an der staatlichen Medienförderung. Das “Vaterland” erhielt vom Land Liechtenstein laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2021, als es noch mit dem “Volksblatt” konkurrierte, knapp eine Million Franken Steuergelder. 

Fördergelder muss ein Medienunternehmen jeweils Ende April nach Ablauf eines Geschäftsjahres beantragen. Dies auch nur, falls ein Medium von der sogenannten Medienkommission, nach Kriterien, die ohne eine gewisse Kapitalsumme unerfüllbar sind, als “förderungswürdig” befunden wird. Unerfüllbar deswegen, weil die Anforderungen für den Förderungsanspruch nur mit mehreren Mitarbeitenden seriös erreicht werden können. Den prozentual anteiligen “Zustupf” erhält man dann gegebenenfalls drei Monate später, also im darauffolgenden Monat Juli bis spätestens August. Das sind eineinhalb Jahre, die ein Start-up ohne staatliche Förderung durchhalten muss. 

Wer unter diesen Bedingungen versucht sich in finanzielle Sicherheit zu bringen, sucht im Medienumfeld Liechtenstein vergebens nach fairen Mitspielern: So schreibt Julia Strauss vom Vaterland, in einem Artikel, dass liwelt den Betrieb einstellen wird – auf welcher Grundlage? Man weiss es nicht.

Ein weiteres Beispiel eines unfairen Players ist Liechtenstein Marketing. Meine Anfrage, liwelt pro Veröffentlichung eines Ihrer Werbebeiträge 100 Franken zu bezahlen, lehnte der Geschäftsführer mit der Begründung ab, es zwinge mich ja keiner ihre Inhalte zu veröffentlichen. Vor dem Hintergrund, dass es sich dabei um ein Staatsunternehmen handelt, das 2022 mit über 2.5 Millionen Franken subventioniert wurde, scheint eine derartige Aussage an Zynismus kaum zu überbieten. Und weil sich Liechtenstein Marketing keine Beiträge bei liwelt leisten kann, erhält liwelt auch keine ihrer Medienmitteilungen mehr zugesandt. 

Auch in der Politik gibt es Stimmen, die wenig Interesse an der Medienvielfalt in Liechtenstein zeigen. Absurderweise gehört die Partei der Freien Liste dazu, welche die neuen akkreditierten Medien komplett ignoriert. Auch Medienanfragen bleiben von der Freien Liste durchwegs unbeantwortet. Ein Umstand den liwelt natürlich sehr bedauert.

Aber auch die Liechtensteinischen Behörden tun wenig dazu, dass sich die Situation ändert. So wird oft nur das Vaterland zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Andere Medien wissen gar nicht Bescheid, dass diese, teils kurzfristig angeordneten Veranstaltungen überhaupt stattfinden. In der Vergangenheit ging es bei den Veranstaltungen jeweils um so wichtige Themen wie Gesundheit und Menschenrechte. 

David Sele schreibt also zu recht, dass es keine ernstzunehmende Konkurrenz zum Vaterland gibt. Viele Akteure bemĂĽhen sich schliesslich darum.



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