Ratgeber ĂŒber sexuelle BelĂ€stigung am Arbeitsplatz neu aufgelegt 

Der Ratgeber, herausgegeben als BroschĂŒre, zum Thema sexuelle BelĂ€stigung am Arbeitsplatz vom Fachbereich Chancengleichheit des Amts fĂŒr soziale Dienste wurde grundlegend ĂŒberarbeitet. 

17. MĂ€rz 2023 | Rita Feger
Gesellschaft

Ziel der BroschĂŒre ist, das Bewusstsein fĂŒr sexuell ĂŒbergriffiges Verhalten am Arbeitsplatz zu schĂ€rfen, um diesem Verhalten besser vorzubeugen oder ein solches zu unterbinden. Personen, die sich mit sexueller BelĂ€stigung am Arbeitsplatz konfrontiert sehen, finden im Ratgeber Verhaltenstipps, rechtliche Hinweise und Adressen von Ansprechpersonen, an die sie sich wenden können. 

Es geht um Machtmissbrauch

Sexuelle Übergriffe haben nichts mit Erotik zu tun, sondern mit Machtmissbrauch. Sie stellen einen Angriff auf die Würde eines Menschen dar und sind Ausdruck krasser Respektlosigkeit. Meist befinden sich Betroffene in ArbeitsverhĂ€ltnissen mit hohem Abhängigkeitsgrad. 

Ist jemand sexueller BelĂ€stigung ausgesetzt, kann das Auswirkungen auf sein Verhalten haben: Betroffene verlieren die Freude an der Arbeit oder sind unkonzentriert. Die LeistungsfĂ€higkeit nimmt ab und damit auch die Chancen fĂŒr das berufliche Weiterkommen. 

Mitarbeiter, die derartige VerhaltensverĂ€nderungen bei einer Kollegin oder einem Kollegen feststellen, sollten das GesprĂ€ch mit der betroffenen Person suchen. Falls sie Zeuge eines sexuellen Übergriffs werden, mĂŒssen sie sofort einschreiten und den Vorfall melden.

Unterschied zu einem Flirt

Verharmlosung sexueller BelÀstigung ist ein weitverbreitetes PhÀnomen, was nicht zuletzt die MeToo-Bewegung gezeigt hat. Aber woran erkennt man sexuelle BelÀstigung und wie unterscheidet sie sich von einem Flirt? 

Im Unterschied zu einem Flirt geschieht sexuelle BelĂ€stigung regelmĂ€ssig vorsĂ€tzlich und gegen den Willen der betroffenen Person, weshalb sexuelle BelĂ€stigung schon deswegen nie harmlos sein kann. Aber auch weil sexuelle Übergriffe bei den Betroffenen Gefühle von Abwertung und Erniedrigung hervorrufen. 

Beispiele sexueller BelĂ€stigung sind aufdringliche Blicke oder angestarrt werden. Anzügliche Bemerkungen, Sprüche und Witze mit sexuellem Bezug gehören genauso dazu wie scheinbar zufällige Körperberührungen und unerwünschte Körperkontakte.

Weiter können die Verfolgung einer Person innerhalb und ausserhalb des Betriebes sowie Annäherungsversuche mit dem Versprechen beruflicher Vorteile oder das Androhen beruflicher Nachteile Formen sexueller BelĂ€stigung sein. Auch das Zeigen von Gesten oder Medieninhalten mit sexuellen Anspielungen bis hin zu pornographischem Material gilt als sexuell ĂŒbergriffig.

Problem angehen, nicht umgehen

Wichtig ist es, die eigenen Wahrnehmungen ernst zu nehmen. FĂŒhlt sich ein Verhalten unrichtig an, dann ist es das in den meisten FĂ€llen auch. Mindestens ebenso wichtig ist das Bewusstsein, dass es keine Rechtfertigung fĂŒr sexuelle Übergriffigkeit gibt. Der Betroffene hat niemals selbst Schuld daran, Opfer sexueller BelĂ€stigung zu sein.

Die gute Nachricht: Man kann sich gegen sexuelle BelĂ€stigung wehren. Die schlechte Nachricht: Defensives Verhalten löst das Problem nicht. Geht man dem TĂ€ter nĂ€mlich aus dem Weg, könnte sich die ĂŒbergriffige Person herausgefordert fĂŒhlen. Ausserdem hĂ€lt ein „Aus-dem-Weg-Gehen“ den TĂ€ter nicht davon ab, andere Mitarbeiter zu belĂ€stigen. 

Je nach Situation wird geraten, sofort und bestimmt auf einen sexuellen Übergriff zu reagieren: Der TĂ€ter muss klar erkennen, dass dieses Verhalten nicht toleriert wird. Sollte aus Verwirrung keine spontane Reaktion möglich sein, ist die Person nachtrĂ€glich zur Rede zu stellen. 

Vorfälle sollten der obersten Stelle im jeweiligen Betrieb gemeldet werden. Zur Meldung an Vorgesetzte wird auch geraten, birgt jedoch die Gefahr, dass je nach interner Hierarchie-Regelung ein Vorgesetzter den anderen deckt. 

Wenn Reden nicht hilft

Die stĂ€rkste Wirkung haben eingeschriebene Briefe an die Direktion. Sie zeigen, dass der Betroffene bereit ist, nötigenfalls auch den Rechtsweg zu beschreiten. Der TĂ€ter wird sich gegen die VorwĂŒrfe wehren, weshalb es ratsam ist, bereits in der Zeit, in der die Übergriffe stattfinden, Beweise wie Text- oder Bildnachrichten sowie zeitnahe Notizen (mit Datum) zu sammeln und aufzubewahren. 

Hilft das auch nicht, ist Strafanzeige zu stellen. Gemäss Gleichstellungsgesetz, gilt für die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz die Beweislasterleichterung. Das heisst, dass, falls der Fall vor Gericht kommen sollte, der Richter bei glaubhafter Schilderung der klagenden Person mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer sexuellen Belästigung ausgehen wird. 

Weitere Informationen und Adressen: https://www.llv.li/files/asd/bro_asd_sexuellebelastigungamarbeitsplatz_a5_2023_web.pdf

 

Sexuelle BelÀstigung am Arbeitsplatz hat viele Gesichter.

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