«Paradies für Highperfomer mit fossilem Wertegerüst»

Am Freitagabend ist wieder Sendezeit des ZDF Magazin Royale mit Satiriker Jan Böhmermann. Letzte Woche war das Land Liechtenstein Thema der Late-Night-Show. Böhmermann brauchte diesmal lediglich die Fakten zu präsentieren, schon war sie da, diese beklemmende Art von Komik. 

19. September 2023 | Rita Feger
Kultur

Die Sendung vom 15. September kommt daher wie eine Wissenssendung fĂĽr Kinder und Jugendliche. Böhmermann erklärt dem Publikum in einfachen Sätzen Liechtenstein und präsentiert dabei einige der wichtigsten Fakten. Auf das Thema Liechtenstein gekommen sei er, weil er sich einen Hilti-Bohrer geliehen habe. „Hilti“, ein lustiger Name, wie er fand. 

Witze sind im Liechtenstein-Beitrag wenige eingebaut und haben oft gar nichts mit Liechtenstein selbst zu tun. Wer dennoch lacht, tut dies wohl eher wegen der lustigen Präsentation des Moderators, als wegen des Inhaltes, der den meisten Liechtensteiner bereits bekannt sein dürfte. 

FĂĽnf Fakten ĂĽber Liechtenstein

“Flächenmässig nur so gross wie Aachen… Die Menschen in “Liachtastah” sprechen Deutsch beziehungsweise das was sie dafür halten” beginnt Böhmermann die Sendung und stellt fünf wissenswerte Fakten fest:

Fakt 1: Der Fürst zahlt keine Steuern, obwohl er über geschätzte acht Milliarden Euro Privatvermögen verfüge und damit als reichster Monarch Europas gilt. 

Fakt 2: Erstgeborene Söhne der FĂĽrsten erben das FĂĽrstenamt vom Vater und haben im Land mehr Macht als die gewählte Regierung. „Die Frauen dĂĽrfen nicht so richtig mitmachen im FĂĽrstenhaus, die haben nämlich Frauenaufgaben,” bemerkt Böhmermann. Liechtenstein sei eben noch eine echte old-school Monarchie.

Fakt 3: Liechtenstein hat 1984 als letztes Land in Europa das Frauenwahlrecht eingeführt. Mit einer Mehrheit von 51 Prozent Ja-Stimmen fiel das Votum für das Frauenstimmrecht damals beschämend knapp aus.

Fakt 4: “Noch schlimmer als Frauen die sich nicht um Kinder kümmern, sind für Fürst Hans Adam II nur verheiratete Männer, die sich um Kinder kümmern” sagt der Moderator und spielt damit auf die Haltung des Fürsten gegen die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare an.

Fakt 5: Das Staatsoberhaupt kann mit einem Veto alle Entscheidungen der Wähler aushebeln. Am Ende geschehe, was seine Hoheit für richtig halte, nicht das Volk. Ein Veto könne auch gegen ein Gesetz eingelegt werden, mit dem eine Initiative das Veto abschaffen will. “Bähm, veto, veto… irgendwie krass, dass das geht, oder?”, kommentiert der Satiriker.

Braune LĂĽcke in der Firmengeschichte

Wie, eingangs mit der Bohrmaschine angedeutet, kommt Böhmermann noch auf ein zweites Thema neben dem Fürstenhaus zu sprechen: Das Hilti Unternehmen. 

In der Firmenstrategie von Hilti heisst es ins Deutsche ĂĽbersetzt nämlich: Das Unternehmen Hilti handelt ethisch, das hat es immer getan und wird es immer tun. Böhmermann kommentiert dazu: „Bei uns ist alles gut, bitte frag nicht weiter.“ Deshalb gäbe es auch auf der Hitli… äh Hilti-Website diese riesen LĂĽcke zwischen den Jahren 1941 und 1967. Da mĂĽsse wohl jemand mit dem Exzenterschleifer ausgerutscht sein.

Am Ende lautet Böhmermanns Fazit: “Liechtenstein hat einen der wertefestesten Fürsten der Welt, noch mit echter Macht. Die Demokratie nervt nicht rum und die Frauen und die Schwulen in Liechtenstein, die sollen einfach mal dankbar sein, dass ihnen einer nett zuwinkt. Ist doch schön, Liechtenstein ist das absolute Paradies für Highperfomer mit fossilem Wertegerüst.” 

Wunderbares FĂĽrstentum

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