Nein zur Initiative elektronisches Gesundheitsdossier

von Dr. med. Martin Risch, Wuhrstrasse 14, Vaduz

16. Januar 2024 | Leserbrief
Leserbrief

Seit Anfang 2023 ist das elektronische Gesundheitsdossier (eGD) für alle Krankenversicherten in Liechtenstein verfügbar. Seit dem 1. Juli 2023 laden Gesundheitsdienstleistende im Rahmen von Behandlungen medizinische und mitunter auch genetische Daten hoch. Höchste Sicherheitsstandards gewährleisten den Schutz dieser Daten.

Gegnerinnen und Gegner der bestehenden Lösung betonen oftmals die Notwendigkeit der Zustimmung durch Teilnehmende. Diese Ansicht wird aber auch von BefĂĽrwortenden geteilt. Die von den Initianten geforderte Opt-in-Lösung ist jedoch nicht mit einer Zustimmung gleichzusetzen.  Der Zugriff auf die Daten erfolgt auch jetzt schon – das heisst im bestehenden Opt-out-System – ausschliesslich durch Gesundheitsdienstleistende und nur mit expliziter Zustimmung der Patientinnen und Patienten; jeder Zugriff wird zudem protokolliert. Entgegen verbreiteten BefĂĽrchtungen haben weder die Pharmaindustrie, Krankenversicherungen oder andere Organisationen Zugriff auf gespeicherte Behandlungsdaten. Eine Auswertung durch Dritte, selbst in anonymisierter Form, ist ebenfalls ausgeschlossen.

Der in der Initiative angestrebte Wechsel zu einem Opt-in-System in Liechtenstein ist abzulehnen, besonders angesichts der umfassenden Kontrolle, die die Teilnehmenden über ihre Daten haben. Ein solcher Wechsel würde bedeutende Ressourcen erfordern und viele bereits existierende Dokumente löschen. Länder wie die Schweiz und Deutschland, die erfolglos Opt-in-Systeme ausprobiert haben, streben nun einen Wechsel zu Opt-out-Lösungen an, welche sich in vielen europäischen Ländern erfolgreich etabliert haben.

Die im eGD gespeicherten Daten gehören den Teilnehmenden, die volle Kontrolle darüber haben, wer diese einsehen darf. Sie können Dokumente verbergen, löschen oder der Nutzung des eGD einfach widersprechen. Das eGD trägt zur Verbesserung der Behandlungsqualität bei, vermeidet Doppelspurigkeiten und steigert die Effizienz im Gesundheitswesen, während es Transparenz und Datenhoheit für die Teilnehmenden sicherstellt. In Notfallsituationen kann die Verfügbarkeit von Informationen über die Patientin oder den Patienten (Vorerkrankungen, Medikamente etc.) lebensrettend sein. Aus diesen Gründen empfehle ich ein Nein zur Volksinitiative am 21. Januar.

 

 

 

 



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