Nauru bricht diplomatische Beziehungen zu Taiwan ab

Taipeh/Peking - Nauru wird die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abbrechen und China anerkennen. Dies teilte die Regierung des kleinen pazifischen Inselstaates am Montag mit und ist damit der erste diplomatische Verbündete Taipehs, der nach den Präsidentschaftswahlen zu Peking wechselt. 

15. Januar 2024 | News International
Politik

Nauru, das etwa 5’600 Kilometer sĂĽdöstlich von Taiwan liegt, gehört zu den kleinsten Ländern der Welt. Die winzige Republik hat nur rund 12’000 Einwohner. Nauru galt in den 1970er-Jahren dank grosser Vorkommen an Phosphat als extrem reich. Jedoch waren die Reserven in den 1990er-Jahren erschöpft – und das Land geriet in eine tiefe Krise. Heute gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt.

Chinas Regierung begrĂĽsste Naurus Umdenken. Die Entscheidung zeige, „dass das Ein-China-Prinzip dem Willen des Volkes und dem Trend der Zeit entspricht“, hiess es aus dem Aussenministerium in Peking. Demnach erachtet die Volksrepublik Taiwan als Teil ihres Territoriums und lehnt internationale Beziehungen anderer Staaten zu der Insel ab. China will Taiwan schon lange unter seine Kontrolle bringen – notfalls mit Gewalt.

Die USA blicken hingegen zuversichtlich auf die Kontinuität der bilateralen Beziehungen unter der neuen taiwanesischen Regierung, wie eine inoffizielle US-Delegation Taipeh versicherte. Die Delegation mit den beiden früheren US-Regierungsbeamten Stephen Hadley und James Steinberg war am Samstag in Taipeh eingetroffen. Sie besuchte die noch amtierende Präsidentin Tsai Ing-wen und ihr frisch gewählter Nachfolger Lai Ching-te (William Lai). Die Kommunistischen Partei in China hatte gegen den Besuch protestiert.

Das US-Engagement fĂĽr die Insel sei „unerschĂĽtterlich, prinzipientreu und ĂĽberparteilich“, sagte der frĂĽhere US-Sicherheitsberater Hadley am Montag der taiwanesischen Präsidentin Tsai. Die Vereinigten Staaten stĂĽnden „an der Seite ihrer Freunde“. Der Besuch kurz nach der Wahl vom Samstag sei von „grosser Bedeutung“, sagte Tsai am Montag in Taipeh. Dies hebe die felsenfeste Partnerschaft zwischen beiden Ländern hervor.

Taiwans Demokratie sei ein leuchtendes Beispiel fĂĽr die Welt, so Hadley. „Wir freuen uns auf die Kontinuität der Beziehungen zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten unter der neuen Regierung und auf die gemeinsamen BemĂĽhungen, den Frieden und die Stabilität zwischen den beiden Ländern zu erhalten.“ Lai bezeichnete den Besuch als Beweis fĂĽr „die enge und stabile Partnerschaft zwischen Taiwan und den USA“. „Ich bin dankbar fĂĽr die starke UnterstĂĽtzung der USA fĂĽr Taiwans Demokratie“, sagte Lai nach dem Treffen am Montag.

Die Regierung von Nauru erklärte unterdessen, dass sie „im besten Interesse“ des Landes und seiner Bevölkerung die volle Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu China anstrebe. Dies bedeute, dass die Republik Nauru Taiwan nicht mehr als eigenständiges Land anerkenne und dass sie die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan mit dem heutigen Tag abbreche, hiess es in einer Erklärung vom Montag.

Zuletzt hatte im März 2023 Honduras seine Beziehungen zu Taiwan abgebrochen – vor allem aus wirtschaftlichen GrĂĽnden. Während Taiwan damit einen wichtigen VerbĂĽndeten verlor, erlaubte China eine engere Zusammenarbeit mit dem mittelamerikanischen Land. International als Staat anerkannt wird Taiwan jetzt nur noch von 12 Ländern: den lateinamerikanischen und karibischen Staaten Belize, Guatemala, Paraguay, Haiti, Sankt Kitts und Nevis, Sankt Lucia, Sankt Vincent und die Grenadinen, den Pazifikstaaten Marshallinseln, Palau und Tuvalu, von Eswatini im sĂĽdlichen Afrika sowie vom Vatikan.

(APA/Reuters/dpa)

 

 



Luftbild von Nauru, drittkleinstes Land der Welt.

Bild: Robert Szymanski