Namibias Präsident Hage Geingob gestorben 

Windhuk - Namibias Präsident Hage Geingob ist am Sonntag (Ortszeit) mit 82 Jahren im Krankenhaus gestorben. Das teilte die Staatsführung in einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform X (früher: Twitter) mit. Zuvor war bei Geingob Krebs diagnostiziert worden.

4. Februar 2024 | News International
Gesellschaft

Geingobs Frau Monica und seine Kinder seien an seiner Seite gewesen. In dem Land im südlichen Afrika stehen Ende des Jahres Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an.

„Die namibische Nation hat einen hervorragenden Diener des Volkes, eine Ikone des Befreiungskampfes, den fĂĽhrenden Architekten unserer Verfassung und die Säule des namibischen Hauses verloren“, sagte Geingobs Stellvertreter und nun amtierender Präsident, Nangolo Mbumba, in einer Erklärung.

In dem Beitrag auf der Social-Media-Plattform X wurde keine Todesursache genannt. Ende letzten Monats teilte das Präsidialamt jedoch mit, dass der Präsident zur Behandlung in die Vereinigten Staaten reisen würde, nachdem bei einer regelmäßigen medizinischen Untersuchung Krebs diagnostiziert worden war. Geingob starb im Lady Pohamba Hospital in Windhoek, wo er von seinem Ärzteteam behandelt wurde, so die Präsidentschaft.

Geboren am 3. August 1941 im ländlichen Städtchen Otjiwarongo im damaligen Südwestafrika, begann Geingob zunächst eine Ausbildung als Lehrer. In den 1960er-Jahren schloss er sich der Befreiungsbewegung an, um sein Land von der Fremdverwaltung durch das benachbarte Südafrika zu lösen, das zu diesem Zeitpunkt von der rassistischen Apartheidregierung geführt wurde. Geingob wurde Mitglied der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO), die später mit militärischer Unterstützung durch die Sowjetunion und Kuba gewaltsam ihr Ziel der Unabhängigkeit verfolgte.

Geingob agierte zunächst als Stellvertreter der SWAPO in Botswana und wurde 1964 zum SWAPO-Repräsentanten bei den Vereinten Nationen in New York ernannt, wo er zeitgleich an renommierten US-Universitäten Politikwissenschaften studierte. Mit der Gründung des UN-Instituts für Namibia 1975 wurde Geingob dessen Direktor, eine Position, die er bis zu seiner Rückkehr in seine afrikanische Heimat 1989 innehielt. Geingob war einer der führenden Köpfe seiner Partei und spielte eine entscheidende Rolle bis zur Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990. Unter anderem war er einer der Hauptautoren der neuen Verfassung des Landes.

Als erster Premierminister des unabhängigen Namibias – unter der Präsidentschaft von Sam Nujoma – setzte sich Geingob fĂĽr die Versöhnung und den Wiederaufbau der ehemaligen deutschen Kolonie (1884 – 1915) mit 2,6 Millionen Einwohnern ein. Nach einem Abstecher als Industrie- und Handelsminister wurde Geingob 2012 zum zweiten Mal Premierminister. Im November 2014 wählten die Namibier ihn mit groĂźer Mehrheit zum Präsidenten und bestätigten ihn fĂĽnf Jahre später fĂĽr eine zweite Amtszeit.

Geingob galt als brillanter Denker und versierter Rhetoriker, der sich für die Rechte der Unterdrückten einsetzte. Seine Vision eines geeinten und wirtschaftsstarken Namibias machte ihn vor allem während seiner ersten Amtszeit zu einem respektierten Staatsoberhaupt, sowohl innerhalb des Landes als auch auf internationaler Ebene. Als einer von Geingobs wichtigsten politischen Erfolgen gilt die Gründung eines öffentlichen Dienstes in Namibia. Auch Naturschutz und Öko-Tourismus standen hoch auf Geingobs politischer Agenda.

Während seiner zweiten Amtszeit, für die er nur knapp die Stimmenmehrheit erhielt, verlor Geingob jedoch an öffentlichem Ansehen. Zu dem stark schwindenden Vertrauen hatte unter anderem seine Unfähigkeit geführt, Misswirtschaft und Arbeitslosigkeit Einhalt zu gebieten. Auch sein verschwenderischer Lebensstil, seine Unfähigkeit, Kritik anzunehmen, und seine zunehmende politische Zusammenarbeit mit China, stießen innerhalb der Bevölkerung auf Unmut. 2021 sah sich Geingob dann selbst mit schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert: Ihm wurde unterstellt, er habe Millionen von Dollar veruntreut, indem er angeblich Regierungsbeamte anwies, Gelder von einem staatlichen Fischereiunternehmen für politische Bestechungsgelder abzuzweigen. Ein Ergebnis der Untersuchung steht bis heute allerdings aus.

(APA/Reuters/dpa) 

Geingob ist mit 82 Jahren verstorben.

Bild: PHILL MAGAKOE

 

Sonnenuntergang in Windhoek, der Hauptstadt Namibias.

Bild: R.M. Nunes