Nächster Lufthansa-Streik trifft Passagiere härter 

Frankfurt - Die Lufthansa und ihre Kunden stehen vor der nächsten Streikwelle mit zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen. Für diesen Mittwoch (7. Februar) hat die Gewerkschaft Verdi das Bodenpersonal mehrerer Lufthansa-Gesellschaften einschliesslich der Technik zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. 

5. Februar 2024 | News International
Welt

Das Unternehmen will noch heute einen Ersatzflugplan erarbeiten und rechnet mit mehr als 100’000 betroffenen Passagieren. Details sollen im Laufe des Tages veröffentlicht werden.

Bestreikt werden am Mittwoch die Lufthansa-Standorte Frankfurt am Main, MĂĽnchen, Hamburg, Berlin und DĂĽsseldorf, wie Verdi ankĂĽndigte. „Wir gehen davon aus, dass 80, 90 Prozent des Lufthansaprogramms und das der Töchter eingestellt wird“, sagte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Allein am Flughafen MĂĽnchen sind fĂĽr Mittwoch rund 400 FlĂĽge der Lufthansa geplant. Beginnen soll der Warnstreik am Mittwoch um 4.00 Uhr morgens und bis Donnerstag um 7.10 Uhr andauern.

Bei der kleineren Lufthansa-Ferienflugtochter Discover Airlines zeigte ein Streik der Piloten schon vorher Wirkung: Am Montag, dem zweiten Streiktag, waren in Frankfurt nur zwei von ursprünglich zwölf geplanten Abflügen möglich, wie aus dem Online-Abflugplan des Flughafens hervorging. Neun Flüge waren gestrichen und eine Verbindung nach Windhoek in Namibia wurde auf Dienstag verspätet. Auch am Sonntag waren 10 von 16 geplanten Abflügen des Ferienfliegers gestrichen worden. Die von München aus geplanten Discover-Flüge im Auftrag der Muttergesellschaft Lufthansa sollten von dieser selbst angeboten werden.

Laut Verdi werden am Mittwoch ausschließlich Lufthansa-Gesellschaften mit zusammen rund 25’000 Beschäftigten bestreikt. Im Einzelnen wurden genannt: Deutsche Lufthansa, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik Logistik Services sowie Lufthansa Engineering and Operational Services. Insbesondere in München und Frankfurt könne es dazu kommen, dass streikendes Schalterpersonal der Lufthansa auch für Kunden anderer Konzerngesellschaften wie Swiss oder Austrian nicht zur Verfügung steht. Die Technik wartet auch Maschinen anderer LH-Konzerngesellschaften, und die in Düsseldorf bestreikte Gesellschaft Lufthansa-Leos agiert auch als Bodenverkehrsdienstleister anderer Gesellschaften. Lufthansa geht von 20’000 Beschäftigten aus, während Verdi die außertariflichen Kräfte mitzählt.

Das Unternehmen kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft: „Noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen ist der Streik auch in Länge und AusmaĂź völlig unverständlich“, hiess es. Der Warnstreik belaste Gäste und Mitarbeitende unverhältnismäßig, meinte Personalvorstand Michael Niggemann. Er verwies auf das aktuelle Angebot, das unter anderem Erhöhungen von VergĂĽtung und Zusatzleistungen von insgesamt ĂĽber 13 Prozent in den nächsten drei Jahren sowie eine signifikante Inflationsausgleichsprämie beinhalte.

Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Das Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde wurde von der Gewerkschaft zurĂĽckgewiesen. Knackpunkte waren laut Verdi etwa die als zu niedrig empfundenen Erhöhungsschritte und die 36-monatige Laufzeit. „Dieser Streik wäre unnötig, wenn Lufthansa den Bodenbeschäftigten die gleichen Erhöhungen zugestehen wĂĽrde wie anderen Beschäftigtengruppen im Konzern“, sagte Verdis VerhandlungsfĂĽhrer Marvin Reschinsky laut Mitteilung. Auch fĂĽr einen besseren Service gegenĂĽber den Fluggästen seien bessere Arbeitsbedingungen des Personals nötig. „Sollte die Lufthansa das nach diesem ersten Warnstreik nicht einsehen, dann sind die Beschäftigten auch zu längeren Streiks bereit.“

Im laufenden Tarifkonflikt fordert Verdi 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Ausserdem soll es eine konzernweit einheitliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3’000 Euro geben. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 12. Februar in Frankfurt am Main geplant. Drei weitere Runden sind laut Verdi vereinbart.

(APA/Reuters)

 

 



Mehr als 100’000 Passagiere dürften betroffen sein

Bild: Boris Roessler