Liechtenstein geht erneut gegen Island unter

Reykavik (Isl) - Auch das achte EM-Qualispiel ging für Liechtenstein (Fifa-Ranking 199) verloren. In Reykjavik unterlag die Elf von Konrad Fünfstück den zielstrebigen Isländern mit 4:0 (2:0)-Toren; im Hinspiel Ende März hatte es eine 0:7-Klatsche abgesetzt. Gylfi Sigurdsson mit einer Doublette (22. / 49.), Finnbogasson (44.) und Haraldsson (63.) erzielten die Tore der Wikinger, die entschlossener in die Zweikämpfe stiegen und für klare Verhältnisse sorgten. 

17. Oktober 2023 | Ernst Hasler
Gesellschaft

Ärgerlich verlief die Nachspielzeit, als Wieser mit dem ersten Handspenalty am isländischen Keeper scheiterte, doch Salanovic den Abstauber verwertete (48.+). Doch der VAR schritt ein und der Strafstoss ist wiederholt worden und dieses Mal donnerte Wieser den Ball neben den Kasten (49.+). Trotz des klaren Verdikts kann dem Liechtensteiner Team attestiert werden, dass es bemüht war, einen Ehrentreffer zu erzielen. Vor allem Salanovic kam je länger die Partie dauerte, besser ins Spiel (65. / 76.).  Zu einem Torerfolg fehlte letztlich die Qualität und Entschlossenheit i der Abschlusszone. 

Wieser scheitert mit zwei Penaltys

Island ergriff zwar von Anbeginn die Initiative, doch die erste Chance besass Liechtenstein: Julien Hasler zog nach 46 Sekunden von halbrechts ab, doch verfehlte er das Tor. Schliesslich beanspruchte Liechtenstein das Glück, als Gylfi Sigurdsson den Ball an den Pfosten schlenzte (5.). Eine strittige Szene trug Island die Führung ein: Ein aus nächster Nähe angeschossenes Hands an Martin Marxer beurteilte der türkische Ref Bitigen nach VAR-Konsultation als Penalty, Gylfi Sigurdsson verwertete via Lattenunterkante zum 1:0. Thorsteinsson (9.) sowie Traustason per Kopf scheiterten an Büchel (10.), auch der Flachschuss von G. Sigurdsson lenkte der FL-Keeper zur Ecke (16.).

In der Folge spielte sich in den Strafräumen wenig ab, weil Liechtenstein die Ordnung gefunden hatte. Nach einem Ausflug von Büchel reüssierte Finnbogasson nicht (42.). Nach einer bereits geklärten Situation kam Traber gegen Willumsson mit dem Kopf ein Tick zu spät, der Ball landete bei Finnbogasson, der sicher einschoss (2:0). Danach passte auf der Gegenseite Marcel Büchel scharf in den gegnerischen Strafraum, Sampsted behalf sich eines Hands, doch statt der 2:1-Resultatverkürzung blieb es beim 2:0-Halbzeitstand: Den ersten Penalty von Wieser klärte Torhüter Olafsson, den Nachschuss drückte Salanovic über die Torlinie (48.+). Salanovic und fünf Isländer waren zu früh in den Strafraum gelaufen, weshalb der VAR eingriff und den Strafstoss wiederholen liess. Wiederum trat Wieser an, der den Ball kläglich neben das Tor hämmerte (49.+). Eine Szene, die sehr ärgerlich war und dem Auftritt der Liechtenstein gut getan hätte.

Statt dem Anschluss, die Entscheidung

Anfangs der zweiten Halbzeit häuften sich die Fehler im FL-Spielaufbau. Gylfi Sigurdsson behielt die Übersicht und jagte den Ball ins lange Eck (3:0). Nach einem Ballverlust von Traber gings schnell: Haraldsson spielte sich mit einem Doppelpass durchs Zentrum und überhob Büchel (4:0). Zuvor hatte Haraldsson Büchel mit einem Knaller geprüft (56.). Nachdem Martin Marxer den eigenen Mann über den Haufen gelaufen hatte, profitierte Johannesson vom Lapsus, traf «nur» den Pfosten (61.).

Nach dem 4:0 pflätscherte die Partie mit wenigen Höhepunkten dahin. Salanovic blieb nach einem Konter im 1:1 hängen (65.) und seinen beherzten Flachschuss hielt Olafsson sicher (76.). Konfusion hatte es auch bei der Auswechslung von Marcel Büchel gegeben, denn offenbar war sein Austausch nicht geplant; es wurde die falsche Nummer auf dem Board angezeigt. 

Liechtenstein musste erkennen, dass die Trauben international nach wie vor sehr hoch hängen. So sind Leidenschaft, Zweikampfstärke und Entschlossenheit neben der fussballerischen Qualität wichtige Tugenden sind, um auch gegen die Nummer 67, Island, annähernd bestehen zu können. Positiv ist indes, dass sich kein Spieler die dritte Verwarnung abholte, die zu einer Spielsperre im Heimspiel gegen Portugal geführt hätte.

Wieser erneut der Stärkste

Sandro Wieser entpuppte sich erneut als der stärkste Liechtensteiner Spieler. Obwohl er in der Innenverteidigung auflief, stiess er oft vor die Abwehr, wo er Bälle eroberte. Auch sein Spielaufbau war tadellos. Einziger Schatten war, dass er den Handspenalty nicht verwertete (49.+), dennoch kam er nicht von seinem Pfad ab (Note: 4,0). Torhüter Benjamin Büchel fischte die eine oder andere Flanke, konnte gegen die vier Gegentore nichts ausrichten (3,5). Auf der rechten IV-Position tat sich Martin Marxer sehr schwer. Er agierte teilweise unentschlossen und tat sich in den 1:1-Duellen schwer, zudem verschuldete er eine Handspenalty relativ unglücklich (2,5). Lars Traber antizipierte sehr gut, eroberte viele Bälle dank seiner Entschlossenheit, doch bei den Toren zwei und drei traf ihn eine Teilschuld (3,5). 

Auf der rechten Aussenbahn tat sich Livio Meier auf der für ihn ungewohnten Position schwer, konnte keine Entlastung herbeiführen, verlor etliche Bälle zu einfach (2,5). Auf der halbrechten zentralen Mittelfeldposition steigerte sich Simon Lüchinger gegenüber dem Bosnien-Spiel, agierte wesentlich entschlossener und hielt die Bälle gut im Spiel (3,5). Im zentralen Mittelfeld war Marcel Büchel vereinzelt gut im Spiel, hielt die Bälle, holte den Handspenalty heraus, zeigte zumindest ansatzweise, dass er ein Gewinn für das Team ist (3,5). Aron Sele lief wiederum sehr viel, presste hoch und ging teilweise sehr hart in die Zweikämpfe; offensiv hat er noch Luft nach oben (3,0).

Auf der linken Aussenbahn war Maximilian Göppel fleissig, doch seine Vorstösse trugen keine Früchte, zumal er auch die Flanken nicht an den Mann brachte (3,0). Die zwei Stürmer Julien Hasler und Dennis Salanovic arbeiteten emsig für die Defensive, liefen sehr viel, doch Gefahr konnten sie im ersten Abschnitt nicht erzeugen. Allerding hätte Hasler mit etwas Glück für einen Höhepunkt sorgen können, verfehlte den Kasten jedoch (1.) und zeigte eine ansprechende Leistung (3,0). Salanovic steigerte sich je länger die Partie dauerte und tauchte mehrmals gefährlich vor dem isländischen Tor auf (3,5). 

Die Einwechselspieler konnten nicht überzeugen. Andrin Netzer zeigte zwar Einsatz auf der rechten Aussenbahn, doch seine Fehlerquote war relativ hoch (2,5). Ähnlich schwer tat sich Jakob Lorenz, der keine Impulse nach vorne setzen konnte (2,5). Niklas Beck erging es im Mittelfeld ähnlich; es fehlten die sauberen Zuspiele in die Angriffszone (2,5). Fabio Luque Notaro und Kenny Kindle kamen nach Ablauf der regulären Spielzeit und standen letztlich «nur» fünf Minuten im Einsatz, deshalb unterliegen sie keiner Bewertung.

Telegramm: 

Island – Liechtenstein    4:0 (2:0)

Laugardalsvöllur, Reykjavik (Isl). 4’317 Zuschauer. Schiedsrichter Abdulkadir Bitigen (Tur); assistiert von Ceyhun Sesigüzel und Mehmet Tugral (Tur).

Island: Elias Olfasson; Sampsted, Palsson, Ingason, Finnsson; Traustason (ab 80.  Aron Gunnarsson), Haraldsson; Willumsson (ab 57. Anderson), Gylfi Sigurdsson (ab 57. Johannesson), Thorsteinsson (ab 80. Andri Gudjohnsen); Finnbogason (ab 57. Oskarsson).

Liechtenstein: Benjamin Büchel; Martin Marxer, Wieser, Traber; Livio Meier (ab 71. Netzer), Lüchinger (ab 75. Niklas Beck), Marcel Büchel (ab 71. Lorenz), Sele, Göppel; Julien Hasler (ab 90. Luque Notaro), Salanovic (ab 90. Kindle).

Tore: 1:0 22. Gylfi Sigurdsson (Handspenalty); 2:0 44. Alfred Finnbogasson; 3:0 49. Gylfi Sigurdsson; 4:0 63. Hakon Haraldsson.

Bemerkungen: Island ohne Johann Gudmundsson, Valgeir Lunddal, Hordur Magnusson (verletzt); Liechtenstein ohne Nicolas Hasler, Frommelt, Saglam, Philipp Gassner, Fabio und Sandro Wolfinger (verletzt) sowie Noah Frick (kein Aufgebot). Wieser scheitert mittels Handspenalty (49.+). Johannesson mit einem Pfostenschuss (61.). Verwarnungen für Martin Marxer (51. – Foul) und Sele (60. – Zeitspiel). Eckenverhältnis: 6:1 (4:0).

Nationaltrainer Konrad Fünfstück bei seiner Einschätzung zum EM-Spiel gegen Island. Video: Ernst Hasler

Age Hareide, Islands Nationaltrainer an der Pressekonferenz (in Englisch). Video: Ernst Hasler

Liechtensteiner Fans vor dem Stadion Laugardalsvöllur in Reykjavik. Ein Dutzend Fans waren aus Liechtenstein angereist. Bild: zvg

Liechtensteins Nationalteam beim Abspielen der Hymne.

Bild: Ernst Hasler