Liechtenstein ärgert Bosnien und erzielt das erste Tor

Auch das fĂĽnfte EM-Qualispiel ging fĂĽr Liechtenstein (Fifa-Ranking 200) verloren. Gegen Bosnien & Herzegowina, die 62 im Fifa-Ranking, setzte es eine 2:1 (2:1)-Niederlage ab.

9. September 2023 | Ernst Hasler
Gesellschaft

Positiv war vor allem die Art und Weise, wie Liechtenstein den Bosniern das Leben schwer machte, sie ärgerte und das trotz der zwei frühen Tore des Gastgebers. Dzeko (3.) sowie ein Lüchinger-Eigentor (18.) liessen schlimmes erahnen, doch letztlich erzielte Sandro Wolfinger mit einem Wundertor den 2:1-Anschlusstreffer aus 22 m (21.).

Unter dem Strich lieferte Liechtenstein eine ordentliche Leistung ab, konnte sich vor allem in der defensiven Arbeit steigern. Auch nach vorne ging einiges, weil mit der Störarbeit die Bosnier zu Fehlern gezwungen werden konnten. Dennoch geht der Sieg Bosniens in Ordnung, weil sie ein klares Chancenplus erarbeitet hatten. In der Nachspielzeit lief Traber an einen gut getimten Sele-Freistoss vorbei und hätte sogar noch das Wunder, einen Punktgewinn realisieren können (96.).

Zu rasche FĂĽhrung und das Wundertor von Sandro Wolfinger

In der Startphase tat sich Liechtenstein schwer, um in die Gänge zu kommen. Das lag am frühen Führungstreffer: Bilbija behielt im Strafraum die Übersicht und bediente Dzeko, der von halblinks ins rechte Eck traf (1:0). Und als Niklas Beck im Spielaufbau einen Ball verlor, lief Dzeko auf Torhüter Büchel zu, steckte den Ball durch, doch Lüchinger schlug auf der Torlinie neben den Ball, der ins Tor kullerte (2:0). Und dann folgte das Wundertor von Sandro Wolfinger, der einen abgewehrten Ball der Bosnier aus 23 m volley ins linke Lattenkreuz hämmerte (2:1).

Danach verpuffte die Partie, weil die Bosnier erkennen mussten, dass Liechtenstein nicht kampflos agierte, hoch presste und auch Bosnien beim Spielaufbau störte und zu Fehlern zwang. Die nächste Offensivaktion verzeichnete Salanovic, doch sein Fallrückzieher fiel zentral aus, sodass Sehic den Ball problemlos krallen konnte (41.). Und den Schlusspunkt in Hälfte eins setzte Nalic, der von der FL-Innenverteidigung gestört den Ball aus 7 m weit über Tor jagte (43.).

Liechtenstein zeigte einen weiteren Aufwärtstrend und lehnte sich an die Leistungen an die Juni-Länderspiele an. Vor allem die Aggressivität und das Nachsetzen nach Ballverlusten war die wichtigste Erkenntnis in Halbzeit eins. Bosnien fehlten unter ihrem neuen Nationaltrainer Meho Kodro (Ex-Stade Lausanne, Ex-Servette Genf) die Automatismen. Wenn jedoch Miralem Pjanic (Ex-Juve, Ex-Barcelona) am Ball war, lancierte er jeweils geschickt die Sturmspitzen Bilbija oder Dzeko.

Wenig fehlte zum Ausgleich

In der zweiten Halbzeit blieb Bosnien dominant, doch fehlten die zündenden Ideen, weil Liechtenstein nach wie vor aufsässig agierte und keinen Ball verloren gab. Büchel hielt den Bilbija-Schrägschuss (51.) sowie dessen Kopfball (75.) und hatte Glück, dass Bilbija einen gut getimten Heber hinter die Abwehr neben das Tor schoss (73.).

Schliesslich kam Dzeko zu zwei AbschlĂĽssen: Seinen Stocherball blockte ein FL-Verteidiger (88.) und seinen Schuss an die Querlatte scheint in der Statistik nicht auf, da der Assistent ein Abseits anzeigte (92.). Als Dzeko, der immer noch viel Torgefahr erzeugte, von halbrechts vors Tor passte, war kein Abnehmer vor dem Tor anzutreffen (87.).

Und Liechtenstein blieb lebhaft, unbequem und war sogar auch gefährlich. Einen Niklas-Beck-Volley aus 22 m boxte Bosniens Keeper Sehic (61.) und schliesslich fehlten wenige Zentimeter zum Ausgleich, denn den Sele-Freistoss aus dem linken Halbfeld verpasste Traber mit dem Kopf um wenige Zentimer (96.). Zu diskutieren war auch die Szene, als Kolasinac den FL-Verteidiger Traber mit einer Tätlichkeit zu Boden streckte, doch der Ref gab «nur» Gelb (57.).

Einzelkritik: Malin antizipierte stark

Der linke Innenverteidiger, Andreas Malin, war der stärkste Liechtensteiner, denn er antizipierte hervorragend, klärte etliche Querpässe der Bosnier aus dem Rückraum. Zudem scheute er kein Kopfballduell (Note: 4,5). Torhüter Büchel konnte die zwei schnellen Gegentore nicht vermeiden. Er pflückte etliche Flanken sehr stark und als er einmal daneben griff, konnte er mit vereinten Kräften klären (4,0). Der rechte Innenverteidiger, Niklas Beck, geriet öfters an seine Grenzen, leitete mit seinem Ballverlust das 2:0 ein; seine Verlagerungen kamen praktisch nie an den Mitspieler (2,5).

Der zentrale Innenverteidiger, Lars Traber, hatte den 2:2-Ausgleich auf dem Kopf, lief jedoch falsch zum gut getimten Sele-Freistoss hin (96.); er agierte sehr aggressiv (4,0). Auf der rechten Aussenbahn sorgte Sandro Wolfinger in den ersten 30 Minuten für viel Wirbel bei seinen Vorstössen, seinen Einwürfen und mit seinem Wundertor aus 23 m (2:1). Leider unterliefen ihm in der Folge viele einfache Abspielfehler (3,5).

Als «Sechser» konnte Sandro Wieser «nur» vereinzelt seine Stärken einbringen; er war bemüht, das Spiel zu verlagern, hätte vereinzelt raschere Entscheidungen treffen müssen (3,5). Auf der linken Aussenbahn rackerte Maxi Göppel extrem hart nach hinten. Nach vorne konnte er kaum Impulse setzen (3,5).

Auf der Achterposition hatte Simon Lüchinger in der Startphase Mühe. Leider missriet ein Klärungsversuch auf der Torlinie (Eigentor). In der Folge hielt er wesentlich entschlossener dagegen (3,0). Sein Pendant auf der linken Seite war Aron Sele, der in den ersten 25 Minuten «nur» mit Laufen eingedeckt war. Schliesslich gab er den Bosnier im einen oder anderen Zweikampf den Tarif durch (3,5).

Der Zweimann-Sturm Ferhat Saglam und Dennis Salanovic arbeiterte viel für die Defensive. Vor allem Saglam warf sich allem entgegen, schonte sich nicht und gefiel mit seiner drekten Gangart (4,0). Salanovic fehlte oft in 1:1-Szenen der Mut; er hielt zwar die Bälle, holte etliche Freistösse heraus, doch ins 1:1 wagte er sich leider nicht oft genug; ihm Finish schied er angeschlagen aus (3,0).

Die Einwechselspieler fanden teilweise gut den Anschluss ans Spiel. Insbesondere Livio Meier überzeugte, schloss Lücken und scheute die Zweikämpfe nicht (3,5). Auch Julien Hasler agierte entschlossen und zielstrebig als Stürmer (3,5). Mehr Mühe hatte Debütant Fabio Luque Notaro, der wohl etwas viel Respekt zeigte und sich mit der Position schwer tat (3,0). Gut war auch Andrin Netzer im Spiel; offensiv stiess er zweimal entschlossen nach vorne, zum Torabschluss reichte es indes in den 16 Minuten Einsatzzeit nicht (3,5). Fabio Wolfinger übernahm den Part seines Bruders auf der rechten Abwehrseite und war mit Defensivaufgaben eingebunden (3,0).

Telegramm: Bosnien & Herzegowina  – Liechtenstein 2:1 (2:1)

Stadion Bilino Polje, Zenica (BIH).7’000 Zuschauer. Schiedsrichter Sayat Karabayev (Kaz), assistiert von Alexey Dolgikh und Dmitriy Belogradov (Kas).

Bosnien & Herzegowina: Sehic; Dedic, Milicevic, Hadzikadunic, Kolasinac; Pjanic, Krunic (ab 93. Hamulic); Nalic, (ab 64. Tahirovic), Pjanic (ab 77. Hadziahmetovic), Demirovic (ab 93. Kenan Kodro); Dzeko, Bilbija (ab 77. Gazibegovic).

Liechtenstein: Benjamin Büchel; Niklas Beck, Traber, Malin; Sandro Wolfinger (ab 84. Fabio Wolfinger), Wieser (ab 68. Meier), Göppel; Lüchinger (ab 82. Julien Hasler), Sele; Saglam (ab 74. Fabio Luque Notaro), Salanovic (ab 82. Netzer).

Tore: 1:0 3. Edin Dzeko; 2:0 18. Simon LĂĽchinger (Eigentor); 2:1 21. Sandro Wolfinger.

Bemerkungen: Bosnien ohne Ahmedhodzic (verletzt). Liechtenstein ohne Nicolas Hasler, Frommelt, Philipp Gassner, Marco Wolfinger (verletzt), Hofer (Studium USA), Marcel Büchel (Verzicht) und Noah Frick (U23-Nati). Debüt für Bosniens 56-jährigen Nationaltrainer Meho Kodro. Debüt für Fabio Luque Nataro. Verwarnungen für Kolasinac (57. – Tätlichkeit), Krunic (60. – Halten), Traber (66. – Foul), Lüchinger (76. – Foul). Eckenverhältnis: 11:3 (7:3).

Pressekonferenz mit Nationaltrainer Konrad FĂĽnfstĂĽck. Video: Ernst Hasler

Die beiden Mannschaften, Liechtenstein und Bosnien & Herzegowina, an der Eröffnung des fünften EM-Qualispiels.

Bild: Ernst Hasler