Kuriosum der Aufarbeitung

Carmen Sprenger-Lampert, Landstrasse 333, Triesen

12. Juli 2023 | Leserbrief
Leserbrief

Gestern war es soweit, der lange angekündigte «Covid-Bericht» wurde anlässlich einer Pressekonferenz präsentiert.

Covid ist bekanntlich ein medizinisches Thema. Doch diesem zentralen Punkt widmete man sich bei dieser Arbeit nicht. Warum zog man keine Gesundheitsexperten bei? Spielte dafür wirklich das Geld die ausschlaggebende Rolle? Das ist ungefähr so, als würde man mangels Budgets bei einem Verkehrsunfall ein Unfallprotokoll erstellen, bei welchem lediglich die Wetterverhältnisse, der Strassenzustand und die Personalien anstatt der unfallverursachenden Details aufscheinen.

Auf der Website des Liechtenstein Institut ist die Überschrift «Studien zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie» zu finden. Dieser pauschal formulierte Titel generiert einen irreführenden Eindruck, da diese Arbeiten keine Aussagen zum sehr wesentlichen Teil der medizinischen oder epidemiologischen Analyse der Coronamassnahmen liefern.

Gemäss dem Jahresbericht 2022 des Instituts erhielt dieses einen Staatsbeitrag von Mio. CHF 1.25 (exkl. Gemeindebeiträge); das ist die mit Abstand grösste Einnahmenposition.

Fazit: Die Regierung ist gleichzeitig Hauptsponsor und Auftraggeber bei diesem Institut, das die in ihrer Verantwortung stehende «Corona-Politik» aufzuarbeiten hatte. Wie unabhängig ist dieses Vorgehen – besteht ein Interessenkonflikt? Was generiert diese Praxis? Um von einer Aufarbeitung der C-Pandemie sprechen zu können, müsste man gewillt sein, die Angelegenheit ganzheitlich zu betrachten und hätte den wesentlichen Gesundheitsteil berücksichtigen müssen. Zum Schutz des Rechtsstaats hätte ein derart schwergewichtiges Ereignis das verdient.

Den Regierenden und allen an dieser Aufarbeitung beteiligten Personen empfehle ich, die «Unabhängigkeits-Richtlinie der Liechtensteinischen Wirtschaftsprüfer-Vereinigung» zu lesen und sich die Frage zu stellen, ob das praktizierte Vorgehen dauerhaft zielführend ist?

PS: Die 1. Fussnote im BuA: «Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.»

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