Kino im Kopf

von Jnes Rampone-Wanger, Freie Journalistin, Vaduz

14. Oktober 2023 | Gastautor
Kolumnen

Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Forschung und Lehre habe, aber manchmal finden die Damen und Herren der Wissenschaften Sachen heraus, die ich gar nicht wissen wollte.

Da habe ich jetzt schon ein halbes Jahrhundert lange zu wissen geglaubt, dass meine nächtlichen Träume mir tief verborgene Wünsche offenbaren. Und dementsprechend habe ich auch immer wieder Zeit damit verbracht, mich mit Sigmund Freuds „Traumdeutung“ in der Hand in die Niederungen meiner Seele zu begeben. So erfuhr ich viel über meine unerfüllten sexuellen Wünsche und meine frühkindlichen Urängste.

Manchmal habe ich die Träume morgens sogar in ein eigens dafür angeschafftes Büchlein geschrieben, damit sie nicht verloren gingen. Und nun das: Inge Strauch, Psychologieprofessorin an der Uni Zürich hat die Traumwelt von vielen Kinder, Frauen und Männer erforscht und ist zu der Erkenntnis gekommen, dass es offenbar beim Träumen nicht um die Erfüllung von Wünschen oder das Beseitigen von geistigem Müll geht. „Träume sagen anscheinend generell viel weniger über die reale Lebenssituation der Träumenden aus, als viele Laien und Forscher glauben“, sagt die Wissenschaftlerin.

Der Hirnstamm produziert während wir schlafen völlig willkürlich Nervensignale, und das Gehirn versucht, daraus halbwegs nachvollziehbare Bilder und Geschichten zu basteln – ohne jede tiefere Bedeutung. Sigmund Freuds Traumtheorie ade!

Frau Professor Strauch unterstützt mit ihrer Forschung die Ansicht mancher Neurowissenschaftler, dass man genauso gut das Rauschen des Windes in Baumwipfeln auf Botschaften aus den Untiefen der menschlichen Seele hin untersuchen könnte, da Träume aus zufällig ablaufenden Nervensignalen entstehen.

Das einzige was mich jetzt aber doch wundert ist mein Traum von letzter Nacht: Ich träumte, dass ich mich mit Frau Professor über ihre These gestritten habe.

 

 

 

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