Kiew untersucht mutmassliches Abhörgerät in Generalsräumen 

Kiew - Nach dem Fund eines oder mehrerer mutmasslicher Abhörgeräte im Büro von Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj leitet die Ukraine Ermittlungen ein. Dem Generalstab zufolge handelt es sich um mehrere Geräte, die in Räumen gefunden worden seien, in denen Saluschnyj und sein Stab arbeiten sollten.

18. Dezember 2023 | News International
Politik

Der ukrainische Geheimdienst spricht von einem Gerät, das nach ersten Informationen in einem „nicht betriebsbereiten Zustand“ sei, ohne Speicher oder Ăśbertragungstechnik. „Wir betonen, dass das Gerät nicht direkt im BĂĽro von Walerij Saluschnyj gefunden wurde, sondern in einem der Räume, die er in Zukunft fĂĽr seine Arbeit hätte nutzen können“. Saluschnyj selbst sagt dem Sender RBC, es herrsche Krieg. „Alles ist möglich.“

Die Ukraine verteidigt sich seit fast 22 Monaten mit Hilfe westlicher VerbĂĽndeter gegen den russischen Angriffskrieg. Seit längerem gibt es Spekulationen ĂĽber Konflikte zwischen dem Armeeoberbefehlshaber und Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zum Ă„rger Selenskyjs hatte Saluschnyj zuletzt in einem Interview davon gesprochen, dass der Krieg in einer Sackgasse sei. Ihm werden immer wieder politische Ambitionen nachgesagt. Die eigentlich im FrĂĽhjahr 2024 fällige Präsidentenwahl wird allerdings nicht stattfinden – die ukrainische Verfassung schliesst die Wahl wegen des geltenden Kriegsrechts aus.

Montagabend kritisierte Saluschnyj einem Medienbericht zufolge Selenskyj wegen der Entlassung von sämtlichen Chefs der regionalen RekrutierungsbĂĽros. „Das waren Profis, die wussten, wie man das macht, und jetzt sind sie weg“, zitierte die Agentur Interfax Ukraine Saluschnyj. Selenskyj hatte im August im Zuge einer Korruptionsbekämpfung alle regionalen Leiter der ukrainischen RekrutierungsbĂĽros gefeuert.

Auf die Frage nach dem jĂĽngsten Plan des Verteidigungsministeriums, die militärische Rekrutierung zu verstärken, sagte Saluschnyj, dass das alte System wieder eingefĂĽhrt werden sollte. „Es ist noch etwas frĂĽh, um die Rekrutierung zu bewerten. Was die Mobilisierung anbelangt, so ist es nicht notwendig, sie zu verstärken, sondern zu den Grenzen (und) zu den Rahmenbedingungen zurĂĽckzukehren, die frĂĽher funktioniert haben.“

Nach britischer Einschätzung werden Mitglieder russischer Sturmeinheiten mit unverheilten Wunden und sogar nach Amputationen zurĂĽck in den Krieg gegen die Ukraine geschickt. Das britische Verteidigungsministerium berief sich in seinem täglichen Geheimdienst-Update auf „glaubwĂĽrdige Berichte“. Demnach wĂĽrden Mitglieder der „Sturm Z“ genannten Infanteriegruppen nur minimale oder gar keine Behandlung erhalten. Bei diesen Truppen handelt es sich nach britischen Informationen um Strafbataillone aus ehemaligen Häftlingen und in Ungnade gefallenen Soldaten.

Auch Milizen aus dem von Russland völkerrechtswidrig annektierten Gebiet Donezk in der Ostukraine sowie Mitglieder der Privatarmee Wagner wĂĽrden mangelhaft behandelt, hiess es in London weiter. Doch vor allem einstige Sträflinge, die den Grossteil der „Sturm Z“-Einheiten ausmachten, seien betroffen. „Ein Grund ist, dass den Gefangenen häufig die fĂĽr den Zugang zu Militärkrankenhäusern erforderlichen Papiere fehlen.“ Der Druck auf das ĂĽberlastete medizinische System des Militärs werde damit verringert.

(APA/Reuters/dpa) 

 

 



Saluschnyi sollte ausspioniert werden.

Bild: GLEB GARANICH