Israel verstärkt Angriffe und stellt Friedensbedingungen

Wien/Jerusalem - Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat eine Verstärkung des Militäreinsatzes gegen die Hamas angekündigt und drei Bedingungen für ein Ende der Kämpfe genannt: Die Hamas müsse zerstört, der Gazastreifen "demilitarisiert" und die palästinensische Gesellschaft "deradikalisiert" werden.

27. Dezember 2023 | News International
Politik

Die Kämpfe im Gazastreifen gingen auch am Dienstag weiter. Israels Generalstabschef Herzi Halevi erwartet nach eigenen Angaben eine Fortsetzung „fĂĽr viele Monate“. „Es gibt keine AbkĂĽrzungen bei der Auflösung einer Terroristenorganisation, nur entschlossenen und beharrlichen Kampf“, sagt Halevi bei einem im Fernsehen ĂĽbertragenen Besuch an der Grenze zum Gazastreifen. „Wir werden auch die Hamas-FĂĽhrung erreichen, egal ob es eine Woche oder Monate dauert.“

Die israelische Armee setzte unterdessen laut Berichten internationaler Nachrichtenagenturen ihr Bombardement von Zielen im Gazastreifen fort. Dutzende Kampfflugzeuge hätten im Verbund mit den Bodentruppen erneut mehr als 100 Ziele angegriffen, teilte die Armee Dienstag früh mit. Es seien unter anderem Tunnelschächte der islamistischen Hamas und Militäranlagen attackiert worden. In der Nacht sei eine Terrorzelle in Jabalia ausgeschaltet worden, die versucht habe, Sprengstoff nahe eines israelischen Panzers zu platzieren. Die Truppen hätten die Terroristen bekämpft. Ein Kampfflugzeug habe sie dann getötet. Auch in der südlichen Stadt Khan Younis seien am Vortag Hamas-Terroristen getötet worden. Die Angaben des Militärs konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Die Hamas-Gesundheitsbehörde teilte mit, insgesamt 52 Tote seien in Krankenhäuser in Rafah, Khan Younis und Deir al-Balah gebracht worden. Die im Gazastreifen trotz der mehr als elf Wochen Krieg mit israelischen Luftangriffen und dem Einsatz von Bodentruppen noch arbeitenden Krankenhäuser seien sehr ĂĽberlastet. Eine Mitarbeiterin des UNO-NothilfebĂĽros OCHA berichtete von erschĂĽtternden Szenen in einem Krankenhaus im Gazastreifen. „Was ich im Al-Aqsa-Krankenhaus in Deir al-Balah gesehen habe, war ein absolutes Blutbad“, sagte Gemma Connell dem britischen Sender BBC. Es gebe viele Verletzte mit „extrem schweren Wunden, die aber nicht behandelt werden können, weil so viele Menschen vor ihnen in der Schlange fĂĽr eine Operation stehen und das Krankenhaus völlig ĂĽberlastet ist“. Sie habe dabei mitansehen mĂĽssen, „wie ein neunjähriger Bub mit einer verheerenden Kopfverletzung starb“, wurde sie am Dienstag zitiert.

Ein Einlenken der Konfliktparteien zeichnete sich vorerst nicht ab. Nach Berichten über einen Plan Ägyptens für ein Kriegsende lehnte die islamistische Hamas zuletzt eine vorübergehende Feuerpause ab und verlangte einen dauerhaften Waffenstillstand. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu kündigte indes eine Verstärkung des Militäreinsatzes an, sprach von einem langen Krieg.

In einem Gastbeitrag fĂĽr das „Wall Street Journal“ (Dienstag) nannte er drei Bedingen fĂĽr Frieden: „Die Hamas muss zerstört werden, der Gazastreifen muss entmilitarisiert und die palästinensische Gesellschaft muss entradikalisiert werden. Dies sind die drei Voraussetzungen fĂĽr einen Frieden zwischen Israel und seinen palästinensischen Nachbarn im Gazastreifen.“ Netanyahu wies internationale Kritik zurĂĽck. Israel handle „weiterhin in voller Ăśbereinstimmung mit dem Völkerrecht“. Israel unternehme sein Bestes, um die Zahl ziviler Opfer „so gering wie möglich“ zu halten.

Das UN-MenschenrechtsbĂĽro ist nach Angaben eines Sprechers höchst besorgt ĂĽber die fortgesetzten israelischen Bombardierungen im mittleren Gazastreifen. Dabei seien seit dem Heiligen Abend allein in zwei FlĂĽchtlingslagern 137 Menschen ums Leben gekommen, teilte das BĂĽro am Dienstag unter Berufung auf Angaben der Organisation „Ă„rzte ohne Grenzen“ mit.

Am 24. und 25. Dezember seien Berichten zufolge mehr als 50 Luftschläge ausgeführt worden. Getroffen worden seien nach diesen Berichten drei Flüchtlingslager. Alle Strassen zwischen den Lagern seien zerstört worden, was die Versorgung mit Hilfsgütern deutlich erschwere. Die Versorgungslage sei auch vorher schon katastrophal gewesen.

(APA/dpa/AFP/Reuters)

 

 

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Bild: SAID KHATIB