Israel setzt auch nach UNO-Resolution Gaza-Offensive fort

Gaza/Jerusalem - Auch nach der Resolution des UNO-Sicherheitsrats zu humanitären Hilfslieferungen in den Gazastreifen hat Israel seine Offensive am Samstag fortgesetzt. Die von der Hamas kontrollierten Behörden meldeten schweren Beschuss in mehreren Städten. 

23. Dezember 2023 | News International
Politik

Die israelische Armee erklärte, in der Stadt Gaza einen „strategischen“ Tunnelkomplex zerstört und „Terroristen eliminiert“ zu haben. Nach Angaben der UNO sollen bei einem Luftangriff womöglich mehr als 70 Verwandte getötet worden sein.

Zu den Toten soll auch ein Mitarbeiter des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) gehören, wie die Organisation am Samstag mitteilte. Der langjährige Mitarbeiter Issam Al Mughrabi (56) sei mit seiner Frau (53) sowie seinen drei Söhnen und zwei Töchtern im Alter zwischen 13 und 32 Jahren ums Leben gekommen, berichtete das UNDP. Mit ihm seien Berichten zufolge 70 weitere Angehörige aus seinem Verwandtenkreis getötet worden. In arabischen Medienberichten war sogar von 76 Toten die Rede. Israels Armee teilte mit, sie versuche, den Bericht zu prüfen.

Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium teilte am Samstag zudem mit, bei einem Angriff auf ein Haus in der FlĂĽchtlingssiedlung Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens seien 18 Menschen getötet worden. Die israelische Armee setze den „schweren Artilleriebeschuss“ in Gaza und Jabaliya im Norden sowie Deir al-Bala im Zentrum fort. Auch die Angriffe bei Rafah und Khan Younis im SĂĽden wĂĽrden fortgesetzt.

Das israelische Militär gab am Freitagabend bekannt, „Terroristen eliminiert“ zu haben. Ausserdem habe die Armee von der Hamas genutzte Tunnel in der Stadt Gaza entdeckt.

Kurz zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat in einer mĂĽhsam ausgehandelten Resolution umfassende humanitäre Hilfslieferungen in den Gazastreifen gefordert. In dem Krieg zwischen Israel und der Hamas mĂĽssten alle Seiten die „sichere und ungehinderte Lieferung von humanitärer Hilfe in grossem Umfang“ ermöglichen, heisst es in der Resolution. Auf den Aufruf zu einer sofortigen Feuerpause wurde darin verzichtet. FĂĽr die Resolution stimmten 13 der 15 Mitgliedstaaten des mächtigsten UNO-Gremiums, die Veto-Staaten USA und Russland enthielten sich.

Um den Wortlaut der Resolution hatten die Sicherheitsratsmitglieder tagelang hart gerungen. Ein zentraler Streitpunkt war die mögliche Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe. Ein entsprechender Passus fand dann keinen Eingang in die Resolution. Darin heisst es lediglich, es mĂĽssten „mit aller Dringlichkeit“ die Bedingungen fĂĽr eine „eine nachhaltige Einstellung der Kampfhandlungen“ geschaffen werden. Russland hatte einen Aufruf zu einer sofortigen Feuerpause in den Text einbauen wollen, wogegen sich jedoch die mit Israel verbĂĽndeten USA mit ihrem Vetorecht sperrten.

Zu den Hilfslieferungen heisst es in der Resolution, dafĂĽr mĂĽssten alle Routen in und durch den Gazastreifen genutzt werden, darunter die GrenzĂĽbergänge. Zuvor war ein UN-Bericht veröffentlicht worden, der vor einer unmittelbar drohenden Hungersnot im Gazastreifen warnt. Es sei wahrscheinlich, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den kommenden sechs Wochen dem Risiko einer „akuten Ernährungsunsicherheit“ ausgesetzt sei.

UNO-Generalsekretär AntĂłnio Guterres bezeichnete kurz nach Verabschiedung der Resolution die israelische Militäroffensive als das „wirkliche Problem“ fĂĽr die humanitären Hilfslieferungen. Dadurch wĂĽrden „massive Hindernisse“ fĂĽr die Verteilung dieser GĂĽter geschaffen. Er bekräftigte seine Forderung nach einer „humanitären Waffenruhe“.

Israel erklärte nach der Verabschiedung der UNO-Resolution, an seinem Vorgehen gegen die Hamas festzuhalten. Aussenminister Eli Cohen teilte mit, sein Land werde „den Krieg im Gazastreifen“ gegen die islamistische Palästinenserorganisation so lange fortsetzen, bis diese „eliminiert“ sei und die von ihr noch immer festgehaltenen 129 Geiseln befreit seien.

(APA/AFP/dpa)

 

 



Israels Gaza-Offensive geht weiter.

Bild: APA