In Indien wollen Paare am Valentinstag Händchen halten, nicht Kühe

In Indien ist Valentinstag der einzige Tag im Jahr, an dem Pärchen öffentlich Händchen halten dürfen. Mit der Einführung eines "Tags der Kuh-Umarmung" wollte die indische Regierung dieser westlichen Tradition ein Ende setzen.

13. Februar 2023 | Rita Feger
Gesellschaft

In Indien ist Valentinstag der einzige Tag im Jahr, an dem Pärchen öffentlich Händchen halten dĂĽrfen, und das unter Polizeischutz. „Westliches“ Händchenhalten ist in Indien verpönt und so kam es in der Vergangenheit auch schon mal vor, dass händchenhaltende Liebespaare von radikalen Hindus verprĂĽgelt wurden.

Appell an Kuhliebhaber  

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass am sechstens Februar im Auftrag der  hindu-nationalistischen Regierung Modis das Animal Welfare Board of India (AWBI), eine Tierschutzbehörde, mit einem öffentlichen Schreiben die Bevölkerung aufrief den 14. Februar, nicht länger als Valentinstag, stattdessen als „Tag der Kuh-Umarmung“ zu begehen. 

Die Anweisung wurde später zurĂĽckgenommen, nachdem sich ein breiteres Publikum im Internet mit Fotos und Videos ĂĽber die Kuh-Umarm-Aktion lustig gemacht hat. Parch Jain, stellvertretender Sekretär des AWBI, bestätigte dies gegenĂĽber der Zeitung “The Times of India“ und fĂĽgte hinzu, es habe sich dabei nur um einen Appell an Kuhliebhaber gehandelt. Es wären noch keine besonderen Veranstaltungen zu diesem Anlass geplant gewesen. 

Furcht vor Verlust hinduistischer Traditionen

Noch nie, seit seinem 60 jährigen Bestehen, veröffentlichte das AWBI einen vergleichbaren Appell an die Bevölkerung. Hindu-Hardliner haben jedoch in den vergangenen Jahren im Vorfeld des Valentinstags bereits Geschäfte gestürmt und Karten und Geschenke verbrannt. 

Die Regierung Modi befürchtet, dass vedische Traditionen aufgrund des fortschreitenden Einflusses westlicher Bräuche in die indische Kultur auszusterben drohen. Entsprechend hiess es in der öffentlichen Stellungnahme des AWBI, dass in Anbetracht des immensen Nutzens der Kuh das Umarmen einer Kuh emotionalen Reichtum bringen und somit das individuelle und kollektive Glück steigern wird.

Um die Bedeutung der MutterkĂĽhe zu wĂĽrdigen und das Leben mit GlĂĽck und postitiver Energie zu fĂĽllen, sollten alle Kuhliebhaber den 14. Februar als „Tag der Kuh-Umarmung“ begehen. 

Kuh als Mutter der Welt verehrt

„Der Valentinstag, der auch als Tag der Liebe bekannt ist, soll am 14. Februar gefeiert werden, indem man den KĂĽhen seine Liebe und sein Vertrauen ausdrĂĽckt. AuĂźerdem sollte man sie segnen, indem man ihren Kopf und ihren Hals berĂĽhrt“, sagte der Minister fĂĽr Tierzucht, Dharmpal Singh, in einer Erklärung.

Viele Hindus verehren die Kuh als heiliges Tier, weil sie fĂĽr sie Mutter Erde repräsentiert. Wie es in der Erklärung des AWBI heiĂźt, ist die „nährende Natur“ der Kuh die „Geberin aller ReichtĂĽmer fĂĽr die Menschheit“. In den Veden, einer Sammlung hinduistischer Texte, gelte die Kuh, so Singh, als Mutter der Welt. 

Diskriminierung der muslimischen Minderheit

Seit Premierminister Narendra Modi 2014 auf einer Welle des Hindu-Nationalismus an die Macht kam, wurde die Kuh zunehmend politisiert. Modis Partei ist stark auf konservative Hindutraditionen ausgerichtet, und Kritiker sagen, dass die Kuhverehrung als Mittel zur Einschüchterung, insbesondere von Muslimen, benutzt wird. 

Die muslimische Minderheit des Landes wird stark diskriminiert. Selbst vor Tötungen von muslimischen Kuhhirten gibt es kein Zurückschrecken. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden diese Verbrechen von den Behörden jeweils ignoriert oder vertuscht.

Wenn Dich niemand am „Tag der Kuh-Umarmung“ umarmt.

Bild: Twitter

 

https://timesofindia.indiatimes.com/india/celebrate-february-14-as-cow-hug-day-urges-animal-welfare-board-of-india/articleshow/97730961.cms

https://edition.cnn.com/2023/02/11/india/india-valentines-day-cow-hug-intl-hnk/index.html

https://www.hrw.org/news/2023/01/20/top-human-rights-tweets-week

 

KĂĽhe werden in Indien als heilig verehrt.

Bild: Shutterstock