Holocaust-Gedenktag: Egon Holländer über eine Kindheit im KZ

Im Rahmen des diesjährigen Holocaust-Gedenktags wurde die eindrückliche Ausstellung "The Last Swiss Holocaust Survivors" im Haus Gutenberg eröffnet. Diese Ausstellung gibt den letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Holocausts sowie ihren Nachkommen eine Stimme. 

24. Januar 2024 | Redaktion
Gesellschaft

Die Gedenkfeier war durch eine bewegende Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart geprägt, indem zwei anwesende Zeitzeugen ihre persönliche Geschichte erzählten. Regierungsrätin Dominique Hasler betonte in ihrer Rede, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, in dem über eine Million Menschen ihr Leben verloren. In diesem Jahr jährt sich der Tag der Befreiung zum 79. Mal. Seit 2002 nutzen die Mitgliedsstaaten des Europarats diesen Tag, um der Opfer des Holocaust zu gedenken. Auch in Liechtenstein wird seit vielen Jahren ein Anlass des Gedenkens durchgeführt. Dieser wird jeweils in enger Kooperation mit dem Verein der Liechtensteiner Freunde von Yad Vashem veranstaltet.

Der diesjährige Holocaust-Gedenktag fand anlässlich der Vernissage zur Ausstellung „The Last Swiss Holocaust Survivors“ im Haus Gutenberg statt. Die Ausstellung erzählt in Form von Portraits und Filmen die Geschichten der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und gibt ihnen das Wort. Sie trägt dazu, uns die Verantwortung gegenĂĽber der Geschichte bewusst zu machen. Bei der Ausstellung handelt es sich um ein Projekt der Gamaraal Foundation, die Holocaust-Ăśberlebende unterstĂĽtzt und sich im Bereich der Holocaust Bildung gegen das Vergessen engagiert. Interessierte können die Ausstellung bis Ende März von Montag bis Freitag besichtigen oder hier unter folgendem Link: https://gamaraal.com/exhibition/?lang=de&

In ihrer Eröffnungsrede fĂĽhrte Aussen- und Bildungsministerin Dominique Hasler aus, dass die Ausstellung „The Last Swiss Holocaust Survivors“ nicht nur dazu diene, die Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit zu dokumentieren. „Jede Erinnerung ist nicht nur ein Blick zurĂĽck, sondern auch eine BrĂĽcke in die Zukunft. Gerade aktuell sehen wir, wie wichtig dieser BrĂĽckenschlag ist.“ Damit spielte sie auf den neu aufflammenden Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Krieg in Israel an. Solche Tendenzen gilt es im Keim zu ersticken.

Höchst bedauerlich war allerdings, dass  die Aussenministerin die aktuelle Lage in Palästina und das Leid der palästinensischen Bevölkerung in Gaza mit keinem einzigen Wort erwähnte. Wage Andeutungen reichen hier nicht aus. Auch das Leid, das die jüdische Bevölkerung in den Jahren 1933 bis 1945 erdulden musste, muss immer wieder von neuem beim Namen genannt werden. Es heisst Holocaust. Gemeint ist der nationalsozialistische Völkermord an sechs Millionen Menschen. Ein Schweigen einer Aussenministerin über das aktuelle Massensterben in Gaza beschämte den Zuhörer besonders an einem Tag, an dem an ein Ereignis erinnert wurde, das sich nie wiederholen darf. 

Florian Marxer, Vorstandsmitglied des Vereins der Liechtensteiner Freunde von Yad Vashem, würdigte in seinen Begrüssungsworten die Bedeutung des Holocaustgedenkens und hob die Verantwortung jedes Einzelnen hervor. Immerhin füllte er mit seiner Rede wenigstens zum Teil die inhaltlichen Lücken der Bildungsministerin und liess die Lage in Palästina nicht vollständig ausser Acht. 

Der interessanteste Teil des Abends bestand jedoch in den Erzählungen von Zeitzeuge Egon Holländer, der seine Kindheit in drei verschiedenen Konzentrationslagern verbrachte und letztlich wie durch ein Wunder überlebt hat. (pd/red)

→ Link zu Egon Holländers Geschichte im Rahmen der Ausstellung “The Last Swiss Holocaust Survivors”: 

https://www.dropbox.com/s/g5329iw7wfy4d1e/03_Egon%20Hollaender

Egon Holländer spricht über das Unaussprechliche.

Bild: Rita Feger