Heftige Kämpfe im Süden Gazas dauern an 

Gaza - Israels Armee ist nach eigenen Angaben "ins Herz" von Chan Junis, der grössten Stadt im Süden des Gazastreifens, vorgestossen. Nach Aufforderung der Armee waren Hunderttausende Schutzsuchende aus dem zuvor heftiger umkämpften Norden in den Süden des Gebiets geflüchtet. 

6. Dezember 2023 | News International
Politik

Die israelischen Streitkräfte haben im Gazastreifen nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu inzwischen rund die Hälfte aller Bataillonskommandeure der islamistischen Hamas getötet. Das sagte er auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend. 

Weltöffentlichkeit zunehmend gegen Bodenoffensive

In der US-Regierung wird laut einem Medienbericht davon ausgegangen, dass Israels massive Bodenoffensive im SĂĽden noch bis zum Januar andauert. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf mehrere ranghohe US-Regierungsbeamte berichtete, könnte Israel demnach in einigen Wochen zu einer „weniger intensiven, stark lokalisierten Strategie ĂĽbergehen“, die auf bestimmte Hamas-Terroristen und -FĂĽhrer abziele.

Das Weisse Haus sei „zutiefst besorgt“ darĂĽber, wie sich die israelischen Operationen in den nächsten Wochen entwickeln werden, wurde ein Beamter zitiert. Die Meinung der Weltöffentlichkeit wende sich zunehmend gegen die gegenwärtige Bodenoffensive, bei der Tausende von Zivilisten getötet werden, berichtete der Sender weiter.

Sorge bereiten auch die wachsenden Spannungen im Westjordanland. Als Reaktion darauf erlässt die US-Regierung Einreisebeschränkungen, die sich unter anderem gegen extremistische israelische Siedler richten. Es habe einen alarmierenden Anstieg an Gewalttaten gegeben, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Matthew Miller, am Dienstag.

Mehr als 16’200 Menschen in Gaza getötet 

Israel hatte während des Sechs-Tage-Krieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Rund 600’000 Israelis leben dort heute in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete als Teil eines eigenen Staats. Der UN-Sicherheitsrat bezeichnete 2016 diese Siedlungen als Verletzung des internationalen Rechts und forderte Israel auf, alle Siedlungsaktivitäten zu stoppen.

Miller richtete mahnende Worte an Israel im Gaza-Krieg. Es mĂĽsse sich um mehr HilfsgĂĽter fĂĽr den Gazastreifen bemĂĽhen. „Im Moment wird nicht genug getan“, sagte Miller am Dienstagabend. Die Zahl der Lastwagen, die derzeit ankomme, belaufe sich in etwa auf 100 pro Tag. Die Zahl sei geringer als während der am vergangenen Freitag abgelaufenen Feuerpause, erklärte auch Miller. „Sie muss höher sein.“

Netanjahu: „Wir werden nicht vergessen und wir werden nicht vergeben“

Das UN-MenschenrechtsbĂĽro beklagte, dass die israelischen Angriffe, die auf zivile Infrastruktur abzielten oder diese träfen, „Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich der Einhaltung des humanitären Völkerrechts gebe und „das Risiko von Gräueltaten“ erheblich erhöhe. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums sind inzwischen mehr als 16 200 Menschen in Gaza getötet worden. Unabhängig lässt sich dies gegenwärtig nicht ĂĽberprĂĽfen, die UN und Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂĽrdig herausgestellt hätten.

Israels FĂĽhrung ist derzeit nicht kompromissbereit: „Wir werden nicht vergessen und wir werden nicht vergeben“, sagte Netanjahu. Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer Terrorgruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂĽbt hatten. Mehr als 1’200 Menschen wurden getötet. Nach neuesten Angaben der israelischen Armee sind derzeit noch 138 Geiseln in der Gewalt der Hamas und anderer extremistischer Gruppen.

(APA/dpa) 

 

Israels Armee rĂĽckt derzeit im SĂĽden Gazas vor.

Bild: MAHMUD HAMS