EZB lässt Zins unverändert bei 4,5 Prozent 

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) pausiert auch im neuen Jahr und lässt die Leitzinsen erneut unverändert. Die Hüter des Euro um EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag auf ihrem ersten geldpolitischen Treffen 2024, den Schlüsselzins bei 4,50 Prozent zu belassen. 

25. Januar 2024 | News International
Welt

Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser fĂĽr das Parken ĂĽberschĂĽssiger Gelder von der Notenbank erhalten, bleibt weiter auf dem Rekordniveau von 4,00 Prozent. „Die zukĂĽnftigen BeschlĂĽsse des EZB-Rats werden dafĂĽr sorgen, dass die Leitzinsen so lange wie erforderlich auf ein ausreichend restriktives Niveau festgelegt werden“, erklärten die WährungshĂĽter. Eine Zinswende ist fĂĽr die EZB zurzeit kein Thema.

Im EZB-Rat sei man sich einig gewesen, dass es „zu frĂĽh sei“, ĂĽber Zinssenkungen zu sprechen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss in Frankfurt. Konsens herrsche unter den WährungshĂĽtern auch darĂĽber, dass der geldpolitische Kurs weiter an Daten und nicht am Kalender auszurichten sei, sagte sie auf die Frage, ob Zinssenkungen im März oder April vom Tisch seien. „Wir haben unsere Abhängigkeit von den Daten bestätigt“, fĂĽgte sie hinzu.

An der Börse wird seit einigen Wochen auf rasche Zinssenkungen in diesem Jahr spekuliert. Mehrere Währungshüter, darunter Lagarde und Deutsche-Bundesbank-Präsident Joachim Nagel haben sich gegen aus ihrer Sicht zu aggressive Zinssenkungserwartungen gestemmt.

Laut Lagarde ist die EZB auf einem guten Weg, die Inflation im Euroraum auf zwei Prozent zurĂĽckzubringen. „Wir werden wahrscheinlich viel mehr im April, Mai wissen,“ sagte sie jĂĽngst am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Diese Daten wĂĽrden der EZB eine gute Vorstellung davon geben, wie sich die Inflation entwickeln werde. „Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe“, betonte Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss.

In ersten Reaktionen wurde die Zinsentscheidung als erwartbar gewertet. „Im Laufe des Jahres werden wir Leitzinssenkungen sehen, doch Zeitpunkt und Ausmass werden meines Erachtens von den Märkten nicht richtig eingeschätzt“, erklärte Jörg Asmussen, HauptgeschäftsfĂĽhrer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Die Zinswende wird später kommen und geringer ausfallen als gegenwärtig von den Märkten eingepreist,“ fĂĽgte er hinzu.

Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sollte sich die EZB von aggressiven Zinssenkungserwartungen der Finanzmärkte nicht unter Druck setzen lassen. Solange die Löhne so stark stiegen wie zuletzt, sei das Inflationsproblem noch nicht gelöst. „Die 70-er Jahre zeigen, wie gefährlich es ist, wenn eine Zentralbank den Sieg ĂĽber die Inflation zu frĂĽh erklärt,“ merkte er an.

Die EZB teilte mit, sie werde bei der Festlegung der richtigen Höhe und Dauer des restriktiven Niveaus auch künftig einen datengestützten Ansatz verfolgen. Die Euro-Wächter hatten im Kampf gegen die hohe Inflation seit Sommer 2022 zehnmal in Serie die Zinsen angehoben, zuletzt geschah dies im September. Seitdem blieb sie auf dem erreichten Zinsplateau, da die Inflation inzwischen deutlich nachgelassen hat.

Die Inflation lag im Dezember bei 2,9 Prozent – noch im Herbst 2022 war die Teuerung zeitweise auf ĂĽber zehn Prozent geklettert. Das Inflationsziel der EZB rĂĽckt damit wieder näher. Der Beschluss einer erneuten Zinspause dĂĽrfte aber auch davon beeinflusst worden sein, dass die Konjunktur im Euroraum derzeit eine Schwächephase durchläuft. Deutschland, die grösste Volkswirtschaft in der Eurozone, steckt laut dem Präsidenten des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, in der Rezession fest.

(APA/Reuters)

 

 

Trotz Konjunktursorgen vorerst keine Zinssenkung

Bild: Boris Roessler