“Elektrische Energie ist ein hoch politischer Stoff“

Für ihre Ausstellung „on/“ vom 24. Februar bis zum 18. Juni 2023, im Kunstraum Dornbirn, erarbeitete Judith Fegerl neue skulpturale wie zweidimensionale Werke. Die in der ehemaligen Industriehalle präsentierten Arbeiten sind teilweise strombetrieben.

22. Februar 2023 | Redaktion
Kultur

Die Ausstellung „on/“ der österreichischen Künstlerin Judith Fegerl ist mit dem Kunstraum Dornbirn symbiotisch verschmolzen und schaltet ihn ein. Strom fliesst. Für Fegerls Arbeiten kommt der Strom jedoch nicht wie gewohnt aus der Steckdose, sondern von einem eigens für die Ausstellung konzipierten und installierten Solarkraftwerk an der Südseite des Ausstellungsraums – eine geschichtsträchtige Referenz, wurden doch in der ehemaligen Montagehalle, welche die Rüsch-Werke 1893 erbauten, Turbinen für die ersten Wasserkraftwerke gebaut.

Leistungsfähigkeit und Fragilität

Mit der Umwidmung der rohen Industriearchitektur von einer Produktionsstätte in einen Raum zur Präsentation Bildender Kunst wurde nicht nur eine einzigartige Ausstellungssituation geschaffen, die ortsspezifische Kunstproduktion besonders reizvoll macht. Der Betrieb ist seit jeher den witterungsbedingten Schwankungen unterworfen.

Fegerl interessiert grundlegend, was hier ansatzweise angesprochen und sonst wenig beachtet wird: Wie funktioniert der Ausstellungsbetrieb? Welche Infrastruktur ist vorhanden und erfüllt sie die Mindestanforderungen? Wie fragil, verwundbar oder leistungsfähig ist sie? Wie wirkt sich das Klima, der Sonnenstand oder die Dunkelheit auf die Werke und ihre Wahrnehmbarkeit aus?

Aufforderung zu mehr Nachhaltigkeit

Die Künstlerin arbeitet mit dem gesamten Gebäude, verschränkt Geschichte und Gegenwart, interveniert in dessen Substanz und involviert maßgebliche funktionale Elemente. Fegerls Auseinandersetzung fordert durchaus institutionskritisch dazu auf, Nachhaltigkeitsbestrebungen in Institutionen sowie dem übergeordneten kulturpolitischen System zu intensivieren und durch infrastrukturelle Umstellungen am Puls der Zeit zu bleiben.

Eine 40 m2 große Photovoltaikanlage in den Dornbirner Stadtgarten, also in den öffentlichen Raum zu stellen, scheint im Kontext dessen nur logisch. Damit führt sie normalerweise unsichtbare Prozesse der Energiegewinnung im Ausstellungskontext visuell vor und integriert diese als formale, ästhetische und funktionale Faktoren in das künstlerische Konzept.

Grundlage des modernen Lebens

Die Dornbirner Ausstellung bildet das multimediale Spektrum Fegerls künstlerischer Arbeit in einer fein aufeinander abgestimmten Setzung im Raum ab. Die Erforschung der Möglichkeiten elektrischer Energie als bildhauerisches und bildgebendes Material provoziert eine Reflexion über die Verfügbarkeit und den Umgang mit Ressourcen. 

Die Künstlerin eröffnet über die Faszination für zeitbasierte, transformative Prozesse von Kräften und Materialien einen experimentellen Raum. Die Verknüpfung einer Ästhetik des Funktionalen mit der Autonomie der Kunst leistet einen Beitrag in den aktuellen Debatten um Ausstellungspraktiken und deren Verantwortlich- sowie Möglichkeiten, ist aber auch ein Kommentar zu einer gesamtgesellschaftlichen Haltung in unserer an Komplexität zunehmenden Gegenwart: „Man kann sie nicht sehen, man kann sie nicht hören, und man kann sie bis zu einem gewissen Grad auch nicht spüren.Trotzdem ist elektrische Energie die Grundlage unseres modernen, technologisierten Lebens: Fortschritt und Entwicklung, Nutzen und Luxus, aber auch Konflikte über Verteilung und Bereitstellung und vor allem die Umweltproblematik – Energie ist ein hoch politischer Stoff.“ (Judith Fegerl)

Infos zur Ausstellung

  • Eröffnung: Donnerstag, 23. Februar 2022, 19 Uhr (Eintritt frei)
  • Künstlerinnengespräch: Freitag, 24. Februar 2023, 14 Uhr (Eintritt frei) 
  • After-Work-Tour: Donnerstags um 18 Uhr am 23. März, 4. Mai und 15. Juni 2023 (Eintritt frei)

(Kunstraum Dornbirn/rif)

„Judith Fegerl. on/“, Kunstraum Dornbirn 2023.

Bild: Günter Richard Wett © Judith Fegerl, Courte

„Judith Fegerl. on/“, Kunstraum Dornbirn 2023.

Bild: Günter Richard Wett © Judith Fegerl, Courte