Die Zukunft zeigt Richtung Wasserstoffspeicherung

von Hans Frommelt, Gapont, Triesen

18. September 2023 | Leserbrief
Leserbrief

Im Zusammenhang mit der Stromversorgungssicherheit Liechtensteins werden im Vaterland laufend Statement für ein Wasserkraftwerksprojekt bei Ruggell publiziert. Da müssen wir unterscheiden zwischen Laufwasser- bzw. Fliesswasser-, auch Flusswasserkraftwerk genannt und Hochdruckwasserkraftwerke bzw. Speicherkraftwerke. Das angedachte Ruggeller Ausleitwasserkraftwerkssprojekt gehört in die Kategorie Laufwasserkraftwerk.

Bezüglich möglicher Umwelt- und Klimaeinflüsse bestehen gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Kraftwerkstypen. Kommt hinzu, dass zwischen bestehenden und projektierten Fliesswasserkraftwerken zu unterscheiden ist. Neue, projektierte Laufwasserkraftwerke scheitern in der Regel am Umweltschutz.

Liechtenstein ist über das Jahr gerechnet zwischen 85% und 90% vom Ausland, im Winter manchmal bis fast 100% von Stromimport abhängig.

Mit der Windenergienutzung, Biomassennutzung und der Fotovoltaik sinkt unsere Stromversorgungsabhängigkeit. Bezüglich Umwelt- und Klimabelastung schneiden diese Kraftwerkstypen am besten ab. Umweltbilanzen von bestehenden, älteren Laufwasserkraftwerken können nicht auf projektierte, neue Wasserkraftwerke übertragen werden.

Über das neue Gesetz für «Fotovoltaikpflicht» bei Neubauten, praktisch analog der Isolationspflicht von Fassaden und Dächern wird der Stromselbstversorgungsgrad ständig verbessert.

Beim Ruggeller Ausleitwasserkraftwerksprojekt stehen wir vor nicht wenigen Komplikationen bezüglich Umweltschutz und Klimabelastung. Es sind umfangreiche, aufwendige und teure Abklärungen notwendig, die gemäss vielen Fachleuten, umgangssprachlich ausgedrückt, ins Wasser fallen werden. Das zeigt schon das Engagement vieler NGO gegen die Projektidee.

Die letzten Statement im Vaterland bezĂĽglich dem Ausleitwasserkraftwerksprojekt enthalten nicht wenige Bonmot.

Die Beton- bzw. Zementherstellung ist nicht klimaschonend. Wasserkraftwerke erfordern viel Beton. Zu dieser Thematik sind Erklärung der Initianden angefordert. Vergleiche mit der Windnutzung und Fotovoltaik hinken sehr stark und sind, seriös betrachtet, unzulässig.

Ein Ausleitwasserkraftwerksbefürworter, der passioniert Leserbriefe schreibt, meint: „Es wird Tage geben, wo wir nicht wissen werden wohin mit dem vielen Strom, da Speicher fehlen“. Gemeint ist Fotovoltaikstrom.

Bozen im SĂĽdtirol hat schon lange Antworten bereit. In der Region Bozen wird mit Hochdruckwasserkraftwerken mehr Strom produziert als verbraucht wird.

Seit Jahren wird dieser Strom in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und anschliessend in öffentlichen Bussen äusserst umweltfreundlich genutzt.

Mit Wasserstoff lässt sich überschüssiger Strom sogar jahreszeitlich speichern. Das angedachte Ausleitwasserkraftwerk und der Stausee Steg ist nicht tauglich für eine saisonale Speicherung von Strom. Die Zukunft zeigt da eindeutig Richtung neuer Batterietypen und der Wasserstoffspeicherung und wird die Stromversorgungssicherheit im Winter erhöhen.

Wir sind meilenweit von einem Zuviel an Stromproduktion für die Eigenversorgung entfernt. Der Drang, Fliesswasserkraftwerke zu bauen, die Bäche und weitere oberirdische Fliessgewässer zu nutzen, zeigt nicht in die Zukunft.

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