Ă„lteste Tageszeitung Liechtensteins verschwindet endgĂĽltig

Mit dem Titel “Aus besiegelt: «Volksblatt» wird eingestellt” bestätigte die Zeitung am Dienstag, dem 28. Februar ihr bereits Anfang Februar angekündigtes Ende. Seitdem ist es offiziell: Die Liechtensteiner Volksblatt AG wird liquidiert. Dies soll die Generalversammlung auf Vorschlag des Verwaltungsrats einhellig beschlossen haben.

28. Februar 2023 | Rita Feger
Region

Das Volksblatt ist erstmals am 16. August 1878 erschienen und hat rund 145 Jahre lang Tag für Tag über Liechtenstein und die Welt informiert. Ideologisch war die Zeitung an die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) angebunden, eine der beiden grössten Parteien im Land, neben der Vaterländischen Union (VU).

An diesem denkwürdigen Tag, an dem nun offiziell verkündet worden ist, was viele bereits wussten, verabschiedet sich die älteste und zweitgrösste Tageszeitung Liechtensteins für immer von seinen Lesern.

Zeitenwende – Medienwende

Das „Volksblatt“ erklärt in seiner heutigen Ausgabe, dass langfristig kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich gewesen wäre. Die Rahmenbedingungen fĂĽr Print-Medien hätten sich während der vergangenen Jahre stark verändert: “Sinkende Werbeeinnahmen – ein beträchtlicher Teil der Werbegelder fliesst heutzutage zu Firmen wie Google und Facebook – und eine konstant sinkende Anzahl an Printabonnenten machen nahezu jeder Zeitung zu schaffen.” Gleichzeitig sei die Bereitschaft, fĂĽr digitale Nachrichteninhalte zu bezahlen, noch zu wenig ausgeprägt.

Erschwerend hinzugekommen sei auch die Kleinheit des Liechtensteinischen Marktes. Ausserdem hätte man vor einigen Jahren eine massive Kürzung amtlicher Inserate vorgenommen. Die Zukunftsaussichten noch mehr getrübt, hätte die durch die Politik beschlossene Streichung der Gläubigeraufrufe in den Landeszeitungen. Dieser Entscheid wird im August dieses Jahres wirksam. Schliesslich, seien die Papierpreise in “exorbitantem “ Masse in die Höhe geschnellt. Zusammen scheinen all diese Ereignisse der ältesten Landeszeitung nun endgültig den Todesstoss verpasst zu haben.

Dem absehbaren Ende konnten nach Angaben des “Volksblatts” auch der Einbezug externer Spezialisten sowie Kapitalerhöhungen und finanzielle Zuschüsse nicht entgegenwirken. Somit sei ein langfristig wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr realisierbar gewesen.

Sauberer Abschluss und Ersatzangebot fĂĽr Abonnenten

Es könne jedoch ein schuldenfreier Betriebsabschluss erfolgen. Aufgrund bereits erfolgter privater Zahlungsversprechen sei es möglich, eine ordentliche Liquidation der Liechtensteiner Volksblatt AG unter vollständiger Befriedigung sämtlicher Gläubiger durchzuführen.

Auch an die Abonnenten wurde gedacht: “Mit der Vaduzer Medienhaus AG, Herausgeberin des «Liechtensteiner Vaterlands», konnte eine Vereinbarung im Sinne der «Volksblatt»-Abonnenten getroffen werden, damit diese weiterhin mit Nachrichten aus Liechtenstein und der Region versorgt werden.” schreibt die Zeitung.

Letzte Ausgabe erscheint im März

Das definitive Datum der letzten «Volksblatt»-Ausgabe steht noch aus. Nach eigenem Wortlaut der dürfte die letzte Zeitung bereits in den ersten Märztagen von der Medienlandkarte Liechtensteins verschwinden.

Wenn ein Betrieb stirbt, trifft das die Mitarbeiter meist am härtesten. Hier versucht das “Volksblatt” zu beruhigen und verkündet unter dem Titel “Grosszügiger Sozialplan für Mitarbeitende”, dass einige Mitarbeitende bereits eine neue Stelle gefunden hätten und die weiteren Kolleginnen und Kollegen bestmöglich bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle unterstützt würden.

Mit dem “Volksblatt-Aus” verlieren rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

https://www.volksblatt.li/nachrichten/Liechtenstein/Wirtschaft/vb/324730/aus-besiegelt-volksblatt-wird-eingestellt

 

 

 

„Eine konstant sinkende Anzahl an Printabonnenten machen nahezu jeder Zeitung zu schaffen.“

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