Deutsche Wirtschaft 2023 um 0,3 Prozent geschrumpft 

Wiesbaden/Berlin - Hohe Inflation, steigende Zinsen und schwache Weltkonjunktur haben die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank voraussichtlich um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. 

15. Januar 2024 | News International
Welt

Ausgebremst wurde die deutsche Konjunktur gleich von mehreren Seiten. Die hohe Inflation dämpfte die Kaufkraft der privaten Haushalte, die sich deshalb mit dem Konsum zurückhielten. Die Europäische Zentralbank (EZB) bekämpft die starke Teuerung mit dem höchsten Zinsniveau ihrer Geschichte. Das bekam die Baubranche besonders zu spüren: Sie erlitt einen Nachfrageeinbruch, da für viele potenzielle Hausbauer der Traum von den eigenen vier Wänden wegen der teuren Finanzierungskosten platzte.

Den Exporteuren wiederum machte die schwache Weltkonjunktur zu schaffen. Hinzu kommen politische Unsicherheiten – vom russischen Krieg gegen die Ukraine und in Nahost bis hin zu den haushaltspolitischen Turbulenzen in der deutschen Regierung.

Dabei ist die mit Ă–sterreich stark verflochtene deutsche Wirtschaft laut Schätzung der Behörde auch Ende 2023 gesunken. Das Bruttoinlandsprodukt sei von Oktober bis Dezember „nach bisherigen Ergebnissen“ voraussichtlich um 0,3 Prozent zum Vorquartal zurĂĽckgegangen, teilte das Bundesamt mit. Im dritten Quartal habe es noch stagniert.

Die Aussichten fĂĽr das neue Jahr bleiben getrĂĽbt. „Viele Unternehmen sind aufgrund der unklaren Fördersituation verunsichert und halten sich mit Investitionsplänen zurĂĽck“, sagte die Konjunkturexpertin am Deutschen Institut fĂĽr Wirtschaftsforschung (DIW), Laura Pagenhardt. „Das dĂĽrfte sich vor allem im neuen Jahr in schwachen Investitionszahlen niederschlagen.“ Das DIW rechnet fĂĽr 2024 mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Einige Banken-Ă–konomen sind pessimistischer, darunter Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „FĂĽr 2024 erwarten wir weiter ein Minus von 0,3 Prozent“.

Der deutsche Staatshaushalt wurde indes von höheren Zinsausgaben, teuren Energiehilfen und den Kosten für das Deutschlandticket belastet. Die Ausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung überstiegen die Einnahmen um 82,7 Mrd. Euro. Das entspricht einem Defizit von 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Es fällt damit allerdings niedriger aus als in den Vorjahren, die von hohen Kosten infolge der Coronakrise geprägt waren: 2022 lag das Defizit noch bei 2,5 Prozent, 2021 bei 3,6 Prozent, 2020 bei 4,3 Prozent.

(APA/Reuters)

 

 

Deutschland kämpft mit der Konjunkturflaute

Bild: Daniel Reinhardt