Bewährungshilfe Liechtenstein feiert 20-jähriges Bestehen

Am Freitag fand im Kunstmuseum die Feier zum 20-j√§hrigen Jubil√§um des Vereins der Bew√§hrungshilfe Liechtenstein statt. Zahlreiche Besucher w√ľrdigten die jahrzehntelange T√§ter-Opfer-Arbeit des Vereins zusammen mit Pr√§sident Ralph Wanger, dem liechtensteinische Vertreter am Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte, Carlo Ranzoni und der Direktorin vom Gef√§ngnis Saxerriet, Barbara Looser.¬†

31. Oktober 2023 | Redaktion
Gesellschaft

Mit den Worten „Dieser besondere Anlass erf√ľllt uns alle mit Stolz und Dankbarkeit, denn er markiert zwei Jahrzehnte Arbeit und Engagement f√ľr die Unterst√ľtzung und Rehabilitation von Menschen, die eine zweite Chance im Leben verdienen“ er√∂ffnete der Pr√§sident Ralph Wanger vor mehr als 100 Besuchern den Anlass.¬†

Vor 20 Jahren hat sich die Bew√§hrungshilfe auf den Weg gemacht, um das Leben von straff√§llig gewordenen Menschen zu verbessern und die Gesellschaft in Liechtenstein sicherer und gerechter zu gestalten. Die Straff√§lligkeit und ihre Folgen, die f√ľr die Menschen und die Gesellschaft zu minimieren ist, markiert eine zentrale Aufgabe der Bew√§hrungshilfe.¬†

‚ÄěDie Bew√§hrungshilfe ist aus dem Gedanken und der √úberzeugung geboren, dass jeder Mensch die F√§higkeit zur Ver√§nderung und zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft besitzt.‚Äú kommt Pr√§sident Wanger in seiner Rede zum Punkt, in welcher er in der Folge den Weg der letzten beiden Jahrzehnte nachzeichnete.¬†

Wesentliche Meilensteine der Bewährungshilfe Liechtenstein

Der Landtag hatte das Thema Bew√§hrungshilfe im Jahre 2000 aufgegriffen und beauftragte das Amt f√ľr Soziale Dienste¬† f√ľr die konkrete Umsetzung. Die Bew√§hrungshilfe startete bald schon mit ersten Betreuungen und der Zusammenarbeit mit dem Landesgef√§ngnis. In der Folge konnte sich die Bew√§hrungshilfe mit den intervenierenden Diversionsm√∂glichkeiten ‚Äěaussergerichtlicher Tatausgleich‚Äú und ‚ÄěVermittlung gemeinn√ľtziger Leistungen‚Äú erfolgreich einbringen und die Arbeit mit T√§tern und Opfern weiterentwickeln. Dabei blieb die Bew√§hrungshilfe nicht stehen.¬†

Bezugnehmend zum aktuellen Thema in Liechtenstein, der Umsetzung der Istanbul-Konvention zum Schutz vor Gewalt von M√§dchen und Frauen, ist Ralph Wanger ‚Äěder Ansicht, dass nicht nur Sucht ein massgeblicher Faktor f√ľr Kriminalit√§t darstellt, sondern auch Gewalt. Wird diese pr√§ventiv verhindert, sollten auch Gewaltdelikte einged√§mmt oder reduziert werden k√∂nnen.‚Äú Eine neue Leistung des Vereines wurde seit 2019 mit ‚Äěgewaltig.li‚Äú Gewaltberatung, aufgebaut, welche Jugendlichen, M√§nnern, aber auch Frauen konkrete Beratung gegen ihr Gewalthandeln und f√ľr den Stopp der Gewalt anbietet.¬†

Die Rechte von Menschen sch√ľtzen

Der liechtensteinische Vertreter am Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte Carlo Ranzoni und die Direktorin vom Gef√§ngnis Saxerriet, Barbara Looser, hielten Fach-Vortr√§ge zum Strafvollzug. Richter Ranzoni erl√§uterte, dass die Grundrechte selbstverst√§ndlich auch vor der Haft nicht Halt machen und ebenso f√ľr Insassen eines Gef√§ngnisses Wirkungen entfalten k√∂nnen. Wesentliche Grundrechte sind „Achtung der W√ľrde“ und „Verbot erniedrigender Behandlung“, die eng miteinander verkn√ľpft sind. Gef√ľhle der Angst, der Beklemmung oder der Minderwertigkeit sollen dadurch nicht Raum nehmen k√∂nnen.¬†

Diverse Aspekte der Haftbedingungen, wie Zellengr√∂sse und -ausstattung, -belegung bzw. -√ľberbelegung, Hygiene, Nahrung, Bewegung und Gesundheit der H√§ftlinge, Personendurchsuchung oder disziplin√§re Massnahmen sind wichtige Kriterien. Weitere wichtige Grundrechte sind das Recht auf Meinungs√§usserungsfreiheit und das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Richter Ranzoni f√ľhrte anhand von Einzelbeispielen n√§her aus, welche Entscheidungen zu Verletzungen gegen Grundrechte vom Europ√§ischen Gerichtshof gef√§llt wurden.¬†

Resozialisierung und Wiedereingliederung

Barbara Looser, stellte die Arbeit der Strafanstalt und insbesondere den offenen Vollzug vor und erl√§uterte, wie die Grundrechte im Saxerriet gelebt und umgesetzt werden. Die Strafanstalt ist f√ľr Liechtenstein sehr wichtig, weil die meisten Liechtensteiner Insassen, welche die Strafe in √Ėsterreich absitzen, zum Zwecke der Reintegration den letzten Teil ihrer Haft im Saxerriet verb√ľssen.¬†

Looser konnte f√ľr die Anwesenden eindr√ľcklich schildern, wie die Resozialisierung in der Strafanstalt in der Praxis durchgef√ľhrt wird. Die vorbereiteten und vorhandenen differenzierten Arbeitspl√§tze und die individuellen F√∂rderungen weisen auf die Bedeutung des gesicherten √úberganges in die Freiheit hin, bevor die Bew√§hrungshilfe weitere Integrationsschritte fortf√ľhrt. Damit dieser √úbergang ohne neue Straff√§lligkeit erfolgt, versucht das Gef√§ngnis, die Aufarbeitung der Taten und die therapeutischen Interventionen zu f√∂rdern. Das hohe Niveau wird weiters mittels der Angeh√∂rigenarbeit belegt, indem es V√§tern erm√∂glicht wird, mit ihren Kindern Kontakte zu haben und diese Kontakte auch positiv zu gestalten.

(pd)

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20 Jahre Bewährungshilfe Liechtenstein

 

Gesch√§ftsstellenleiter Bew√§hrungshilfe, Josef K√∂ck, Direktorin Saxerriet Barbara Looser, Carlo Ranzoni, Richter Liechtenstein (am europ. Gerichtshof f√ľr Menschenrechte); Ralph Wanger, Pr√§sident der Bew√§hrungshilfe (v.l.)

Bild: Mario Marogg