Benachteiligung von Drittstaatsangehörigen auf dem Arbeitsmarkt  

Der Liechtensteinische Arbeitsmarkt hat dreimal soviel Stellen zu vergeben, als Arbeitslose gemeldet sind. Könnte man dann nicht einfach Arbeitssuchende aus dem Ausland einstellen? Man kann, aber ob es einfach ist, hängt von der Staatsangehörigkeit ab.

7. März 2023 | Rita Feger
Region

Die letzte Statistik des Arbeitsmarktservice Liechtenstein vom Februar verzeichnet 917 offene Stellen bei rund 300 gemeldeten Arbeitslosen. Viele Betriebe sind seit längerem auf der Suche nach qualifiziertem Personal, an vorderster Stelle die Handwerksbetriebe. 

In Europa gibt es zahlreiche Fachkräfte, die aufgrund der Wirtschaftslage in ihren Herkunftsländern keine Arbeit finden. Liechtensteinische Unternehmer können jedoch nicht nach Belieben Personal aus dem Ausland einstellen. Besonders wenn es um sogenannte Drittstaatsangehörige geht, werden den Arbeitgebern Steine in den Weg gelegt. 

Weshalb dem so ist und was es bei Anstellungen von Personen aus Drittstaaten zu beachten gilt, soll im Rahmen der folgenden fünf Fragen beantwortet werden: 

1. Was sind “Drittstaaten”?

Zuerst ist zu klären, welche Staaten überhaupt als Drittstaaten gelten.

Als Drittstaaten definiert das Ausländerrecht alle Staaten, die nicht dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) angehören. 

Dem EWR gehören alle Staaten der Europäischen Union (EU) an, sowie Norwegen und Island. Zur EFTA gehören die Länder Norwegen, Island und Schweiz. Als europäische Drittstaatenangehörige gelten demnach Staatsangehörige von Albanien, Andorra, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Monaco, Montenegro, Nord Mazedonien, San Marino und Serbien.

2. Angenommen, ein gelernter Handwerker aus einem Drittstaat möchte in Liechtenstein eine Stelle antreten. Was muss er beachten?

Zunächst muss geklärt werden, ob die Stelle im Rahmen einer Grenzgängertätigkeit oder mit einer Kurz- respektive einer Aufenthaltsbewilligung angetreten werden soll.

Wird die Stelle im Rahmen einer Grenzgängertätigkeit angetreten, das heisst, wohnt der arbeitsuchende Drittstaatenangehörige im benachbarten Ausland, wird ihm eine Grenzgängerbewilligung zur Ausübung einer unselbständigen Tätigkeit erteilt, wenn er in einem EWR-Mitgliedstaat oder in der Schweiz ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht besitzt und täglich an diesen Wohnsitz im Ausland zurückkehrt.

Der Grenzgänger muss zudem die allgemeinen Einreisevoraussetzungen erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass er keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen darf. Entsprechend ist ein aktueller Strafregisterauszug einzureichen, damit das Ausländer- und Passamt prüfen kann, ob die Person in den letzten Jahren wegen eines Vergehens oder Verbrechens verurteilt wurde.

3. Welche Vorschriften gelten fĂĽr den Arbeitgeber?

Von Arbeitgeberseite ist zu beachten, dass  beim Ausländer- und Passamt ein Gesuch für die gewünschte Anstellung einzureichen ist. Die Besetzung der offenen Stelle hat ausserdem dem volkswirtschaftlichen Interesse zu entsprechen. 

Schliesslich müssen die orts- , berufs- und branchenüblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehalten und der sogenannte “Inländervorrang” ausgeräumt werden. Dem Arbeitnehmer muss zudem eine bedarfsgerechte Wohnung zur Verfügung stehen.

4. Was ist unter “Inländervorrang” zu verstehen?

Inländervorrang bedeutet, dass Ausländer zur Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit in Liechtenstein nur zugelassen werden, wenn nachgewiesen wird, dass keine geeigneten Arbeitnehmer auf dem bewilligungsfreien Arbeitsmarkt gefunden werden können. 

Zum bewilligungsfreien Arbeitsmarkt gehören liechtensteinische Staatsangehörige, Personen mit gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligungen sowie Grenzgänger mit einer Staatsangehörigkeit eines EWR-Mitgliedstaats oder der Schweiz.

5. Was gibt es zu beachten, wenn eine Stelle im Rahmen einer Aufenthaltsbewilligung angetreten werden soll?

Eine Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung zur Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit kann nur an Führungskräfte, Spezialisten und andere qualifizierte Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufslehre oder langjähriger Berufserfahrung erteilt werden. 

 

Weitere Infos:

Ausländergesetz (AuG):

https://www.gesetze.li/konso/2008311000?search_text=inl%C3%A4ndervorrang&search_loc=text&lrnr=&lgblid_von=&observe_date=07.03.2023

Verordnung über die Zulassung und den Aufenthalt von Ausländern (ZAV):

https://www.gesetze.li/konso/2008350000?search_text=inl%C3%A4ndervorrang&search_loc=text&lrnr=&lgblid_von=&observe_date=07.03.2023



Aufenthaltsbewilligungen für unselbständig Erwerbstätige aus Drittstaaten werden nur an Führungskräfte und Spezialisten vergeben. 

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