Beitrag zur Abstimmung ĂĽber das elektronische Gesundheitsdossier

von Dr. Andreas Meissner, Praxis fĂĽr Psychiatrie und Psychotherapie, Tegernseer Landstr. 49, MĂĽnchen

2. Januar 2024 | Leserbrief
Leserbrief

Erfreulich, dass die Bürger in Liechtenstein nun bald die Möglichkeit haben, darüber abstimmen zu können, selbst ein elektronisches Gesundheitsdossier (EDGD) zu beantragen, und nicht mehr wie bisher mittels opt-out „zwangsbeglückt“ zu werden. Wie schön wäre es, wenn wir in Deutschland auch solche Möglichkeiten der Mitbestimmung hätten!

Hier wurde gerade vor Kurzem das opt-out festgelegt. Jeder BĂĽrger bekommt somit ab Geburt sowie bei Zuzug automatisch eine elektronische Patientenakte, wie das hier heisst. Tausende Menschen haben dem jetzt schon mittels Brief an ihre Krankenkasse widersprochen.

Zuvor hatten nur 1 Prozent der Krankenversicherten eine solche E-Akte beantragt. Sicher hat das komplizierte Verfahren dabei abgeschreckt. Viele Menschen, gerade auch schwer, chronisch und psychisch Kranke, sind damit aber auch überfordert. Oder sie wollen bewusst nicht ihre sensiblen Gesundheitsdaten online verwalten. Denn von Cyberangriffen und Datenlecks kann man täglich lesen. Ausserdem sind die Akten meist unvollständig und schlecht geordnet.

Die Befüllung der Akten, in Deutschland jetzt verpflichtend für Behandelnde, kostet Zeit, ebenso wie weitere Vorgänge in diesem digitalen System (etwa die Ausstellung von E-Rezepten oder elektronischer Krankschreibung). Das Projekt hat zudem bereits etliche Milliarden Euro verschlungen, zumeist Gelder aus Versichertenbeiträgen für die Krankenkassen.

Eigentlich haben wir ganz andere Notwendigkeiten im Gesundheitswesen: Pflegenotstand, Ärztemangel, nicht lieferbare Medikamente. Behandelnde und Patienten sollten nicht zu Datenlieferanten für die Gesundheitswirtschaft werden. Daher: Digitalisierung per se ist nicht schlecht – aber bitte behutsam, mit Mehrwert, freiwillig, und mit dezentraler Datenspeicherung!

 

Bild: Shutterstock