95 Tote bei Explosionen im Iran 

Teheran - Nach zwei verheerenden Explosionen am Todestag des mächtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani in dessen Heimatstadt Kerman hat Irans Gesundheitsminister Bahram Eynollahi am Mittwoch die Zahlen der Todesopfer nach unten korrigiert. 95 Menschen seien ums Leben gekommen.

3. Januar 2024 | News International
Katastrophen & Unfälle

Eynollahi begründete die Korrektur damit, dass einige Namen der Opfer zuvor doppelt gezählt worden waren. Staatsmedien hatten die Zahl der Todesopfer zuvor mit 103 angegeben. Immer noch befänden sich rund 30 Patientinnen und Patienten im kritischen Zustand, sagte der Minister. Insgesamt wurden laut Eynollahi 211 Menschen verletzt. Irans Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei kündigte eine scharfe Reaktion an.

„Sie sollen wissen, dass diese katastrophale Tat eine harte Antwort nach sich ziehen wird, so Gott will“, sagte der ReligionsfĂĽhrer am Mittwoch laut einer Mitteilung, die in den Staatsmedien veröffentlicht wurde. Den Opfern und Familien sprach der 84-Jährige sein MitgefĂĽhl aus. Irans Präsident Ebrahim Raisi sagte: „Zweifellos werden die Täter und Befehlsgeber dieser feigen Tat bald ermittelt und (…) fĂĽr ihre abscheuliche Tat bestraft werden“, wurde der Regierungschef zitiert.

Staatstrauer fĂĽr Donnerstag angeordnet

Auch Irans Innenminister Ahmad Vahidi erklärte am Mittwoch dem Staatsfernsehen: „NatĂĽrlich werden die Sicherheitsbehörden, das Militär und die Strafverfolgungsbehörden kurzfristig und mit Nachdruck reagieren.“ Vahidi sagte, die meisten Menschen seien bei der letzten der zwei Explosionen ums Leben gekommen. Die genauen HintergrĂĽnde werden demnach untersucht. „Unsere Polizeikräfte sind wachsam und werden diejenigen, die dieses Verbrechen begangen haben, zur Rechenschaft ziehen.“

Laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Nournews explodierten mehrere Gaskanister auf der Strasse zum Friedhof. Die beiden Sprengsätze seien von „Terroristen“ ferngesteuert gezĂĽndet worden, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA einen amtlichen Vertreter, der nicht näher identifiziert wurde. Die Nachrichtenagentur ISNA zitierte den BĂĽrgermeister von Kerman, Saeed Tabrisi, mit den Worten, die Bomben seien im Abstand von zehn Minuten explodiert. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Terrorangriffe mit diesem Ausmass sind im Iran äusserst selten. Die Regierung ordnete fĂĽr Donnerstag Staatstrauer an. Aus Washington hiess es am Mittwochabend, man habe „keine Details zu dem Bombenanschlag und keine Hinweise darauf, dass Israel in die Explosion verwickelt sei“.

Augenzeuge: „In der MĂĽlltonne befand sich eine Bombe“

Kerman im Zentraliran ist die Heimat von Ghassem Soleimani, dem früheren Kommandanten der Quds-Brigade, der Auslandseinheiten der iranischen Revolutionswächter (IRGC). Die USA hatten ihn am 3. Januar 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. In der Region führte dies zu einer dramatischen Eskalation der Spannungen und zu einem Vergeltungsschlag der iranischen Streitkräfte auf einen US-Stützpunkt im Irak. Von systemtreuen Regierungsanhängern wird Soleimani als Märtyrer verehrt. Propagandabilder des Generals prangen auch an Häuserwänden in der Hauptstadt Teheran.

Auch am Mittwoch pilgerten Menschenmassen durch Kermans Strassen zu Soleimanis Grabstelle. In einem live im Staatsfernsehen ĂĽbertragenen Ausschnitt waren ein Knall und Schreie zu hören. Während einer Live-Schaltung einer Reporterin waren Retter zu sehen, die mit Verletzten im Hintergrund in ein Krankenhaus eilten. Bilder von den Anschlagsorten zeigten blutĂĽberströmte Gehsteige, beschädigte Fahrzeuge und zerfetzte KleidungsstĂĽcke. „Unsere Einsatzteams evakuieren die Verletzten“, sagte der Leiter des Roten Halbmonds der Provinz Kerman, Reza Fallah, im Fernsehen. Allerdings blockierten Menschenmassen die Strassen.

Ein Augenzeuge sagte ISNA, auf dem Weg zum Friedhof habe plötzlich ein Auto hinter der Menschenmenge angehalten und es sei eine MĂĽlltonne mit einer Bombe explodiert. Er habe nur das Geräusch der Explosion gehört und Menschen zu Boden fallen sehen. „In der MĂĽlltonne befand sich eine Bombe“, gab der Augenzeuge demnach an.

Weiteren Eskalation des Konflikts mit Israel befĂĽrchtet

Anlässlich des Todestags Soleimanis hielt der Generalsekretär der libanesischen Schiitenorganisation Hisbollah, Hassan Nasrallah, am Mittwochabend eine Rede. Vor dem Hintergrund der Tötung eines Anführers der islamistischen Hamas im Libanon wurde diese mit Spannung erwartet. Es gibt Sorgen, dass der gewaltsame Tod von Saleh al-Arouri, Vize-Leiter des Politbüros der Hamas, zu einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Israel führen könnte. 

Laut Nasrallah wollte Soleimani mit seiner UnterstĂĽtzung von „Widerstandsbewegungen“ in der gesamten Region dazu beitragen, dass diese selbstständig werden und auch ohne Hilfe aus dem Iran operieren können, meldete der arabische Sender „Al Jazeera“. Anschliessend sprach Nasrallah Drohungen an Israel aus.

(APA/dpa/Reuters/AFP)

 



Menschenmassen pilgerten zum Grab, als der Anschlag verĂĽbt wurde.

Bild: zvg